Blogs


Andrea Fischer am Dienstag den 16. Oktober 2012

Mütter, die wir nicht beneiden

Guckt dahin, wo ihr Sohn sein soll: Eva Baumgartner. (Bild: Keystone/Red Bull Stratos)

Guckt dahin, wo ihr Sohn sein soll: Eva Baumgartner. (Bild: Keystone/Red Bull Stratos)

«Mit der möchte ich auch nicht tauschen!»
So ein frischer kleiner Lieber-Du-als-ich-Gedanke ab und zu kann ein Super-Egoboost für das mütterliche Selbstwertgefühl sein.
Nur, damit es klar ist: Ich rede hier explizit nicht von Müttern, die Schreckliches erleben, die kranke Kinder haben oder in einer anderen Notlage stecken, für die jegliche Worte fehlen. Ihr Kummer ist so weit weg von der Häme des Alltags, dass er nicht taugt, sich selber besser zu fühlen. Im Gegenteil.

Aber innerhalb des Laufgitters des ganz normal Mutterlebens tut es doch gut, ab und zu zwischen den Stäben rauszulinsen und sich auf die Schulter zu klopfen: «Schön hammer’s hier drin, gell?» Ach, kommen Sie, ganz leise wenigstens haben Sie so was doch auch schon gedacht, oder?

Ein paar Beispiele zum Üben:

Die Mutter des All-Hüpfers Felix Baumgartner: Wenn es in der armen Frau drin auch nur halb so angespannt ausgesehen hat, wie in ihrem Gesicht, na dann Prost. Vor allem als der Kamakiaze-Junge noch um jede erdenkliche Achse getrudelt ist. Danach hat die Mama zwar stolz gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd. Das mag man ihr gönnen. Auch dass der Felix gesagt hat, jetzt sei aber genug. Aber seien wir ehrlich: Da lachen nur die Hühner, sicher nicht seine Mutter: Wenn einer schon 42 Jahre lang Adrenalinjunkie ist, kann er noch lang behaupten, er brauche den Stoff nicht.

Sonja Kraus, deutsche Moderatorin mit Barbie-Haar, grossem Busen und noch grösserem Mitteilungsbedürfnis: In ihrem neuen Buch schreibt sie: «Selbstverständlich ist Kinderkriegen eine blutige, archaische, animalische Angelegenheit. Das ist kein Zuckerschlecken – man schreit wie ein abgestochenes Tier und glaubt, man muss sterben». Ist ja schön, wenn man so offen reden kann. Die Frage ist nur, ob man will, dass sich alle Leute, mit denen man künftig zu tun haben wird, einem vor dem inneren Auge und Ohr erst mal durch einen Dammriss begleiten. Egal, wie schick man aussieht und wie klug man spricht, man trägt für immer einen portablen Gebärsaal um sich herum.

Mütter von normal hübschen Mädchen, die Models werden wollen.

Mütter von normalmusikalischen Jungs, die Superstar werden wollen.

Die Mutter von Suri: Katie Holmes zuzusehen, ist ein bisschen wie Kasperlitheater gucken. Ständig möchte man brüllen: «Nein, Achtung, tu’s nicht!» Aber sie hört uns nicht. Unbeirrt heiratet sie zuerst eine Schleimbacke erster Güte, mit der man jede normale Frau ins Kloster scheuchen könnte. Dann schrumpft sie neben dem Mann ein paar Jahre lang vor sich hin, bis man sie verloren glaubt. Doch dann, yesss, es gibt noch Hoffnung, sie bäumt sich auf und bricht aus. Wir bewundern sie. Bis wir den Wolf hinter dem Bäumchen lauern sehen, den Lupus Scientologicus, und wir schreien nicht mal mehr. Wir hoffen nur, dass alles gut kommt.

Die Mütter der Boyfriends von Bobby Kristina (Tochter von Whitney Houston) und Paris Jackson (Tochter von Michael, the only): Ihre Jungs stehen eh unter dem Generalverdacht, die armen traumatisierten Prinzessinnen fies zu behandeln, strunzegal, was sie tun oder lassen. Das haben Söhne nicht verdient und ihre Mütter schon gar nicht.

Die Mutter einer bloggenden Tochter: Sie weiss nie genau, wann was über sie geschrieben wird und wer’s dann liest. (Obwohl bis jetzt noch nichts richtig Arges dabei war.)

Mütter von Kindern, die jünger sind, als die eigenen: Noch zu frisch ist die Erinnerung und der Uff-Effekt, weil wir wieder schlafen, Röcke ohne Breispucke tragen und rasch allein einen Liter Milch holen können, ohne uns vorher einen Babybjörn umzuschnallen und das zweite Kind in ein Jäckchen einzufädeln.

Mütter, deren Kinder älter sind, als unsere: Diese Kids sind irgendwie aufmüpfiger als unsere und kommen erst spät nachts heim und haben Sex und solche Sachen, die doch gar nicht zu Kindern passen. Selbst wenn es das eigene ist.

Die Mutter des Kindes, das an der Kasse rumbrüllt oder im Tram eine rotzige Antwort gibt. Selbst wenn es das eigene ist.

43 Kommentare zu „Mütter, die wir nicht beneiden“

  1. babuschka miro sagt:

    die KINDER einer blogenden MUTTER!wirklich schlimm,wie sich mütter/eltern über ihren blog inszinieren müssen.intimsphäre der kinder gleich null.als babys können sie sich ja noch nicht wehren…hoffe doch,dass sie dies später nachholen.

    • mira sagt:

      Yep, das denke ich manchmal auch…. das fängt bei kleinen Episoden an und hört bei Jammer-Threads (Mutter-sein ist anstrengend/erschöpfend/etc) auf. Ich würde nicht wollen, dass meine Kinder später mal solche Dinge über sich und mich lesen…

    • sepp z. sagt:

      der titel eines artikels wäre dann da:
      “KINDER DIE WIR NICHT BENEIDEN”

    • mila sagt:

      …und wie genau stellen Sie sich alle einen Mamablog ohne persönliche Erfahrungsberichte der Autorinnen vor? Die Beiträge quasi als ‘trockene’ Theorieabhandlungen?

      Sorry, aber das wäre dann mit Sicherheit eine Plattform, die die (virtuelle) Welt nicht braucht…

      • gugus sagt:

        ich glaube, damit war nicht der mamablog gemeint, sondern die sog. “windelblogs”.

    • pixel sagt:

      ja, schlimm, die bloggenden Mütter. Schlimm, schlimm. (Ich denke gerade nach….)

      @gugus: was ist ein windelblog?

      • gugus sagt:

        ein windelblog oder babyblog ist ein meist von müttern geführter blog über das neue baby, die familie, die entwicklungsschritte etc.

      • alien sagt:

        Dann bin ich ja gespannt über den Blog der neuen Bankenaufsicht. Kackt ja sicher ab, hoffentlich können sie sich wenigstens anständige Windeln leisten.

    • Francesca sagt:

      Da braucht’s keinen Blog: sind die Kinder klein, tauschen sich Eltern dauernd über Intimitäten der Kinder aus, angefangen beim Windelinhalt über Trotzphasen etc.. Dies ist nötig, so macht man sich schlau. Mit dem Älterwerden der Kinder muss man sich dann zusammenreissen und den Mund halten lernen. Wir Eltern hinken aber immer hinterher, weshalb sich die Kids dann zuweilen wehren (”Mami, musstest Du das der erzählen!!!”). Geht es um einen Blog, ist es eher einfacher: man gibt den Text der Familie zu lesen und lässt ihn absegnen. Anders geht es nicht, eine Frage des Respektes.

      • gabi sagt:

        Ich find das einerseits sehr richtig und entsinne mich allzu gut an Situationen, in welchen ich mich bloss gestellt fühlte (auch wenn die, nachträglich betrachtet ja vollkommen harmlos waren).

        Aber einen Blogtext zum Absegnen geben? Für ein Medium, in welchem nur ein Nickname erscheint; in dem sowohl die Eltern, als auch die Kinder vollkommen anonym sind?

        Das empfinde ich als ziemlich übertrieben.

      • Manuela sagt:

        “Für ein Medium, in welchem nur ein Nickname erscheint; in dem sowohl die Eltern, als auch die Kinder vollkommen anonym sind?”

        Leider werden die meisten Familien-Blogs aber nicht anonym geführt. Da werden alle beim Namen genannt und Fotos aus allen Lebenslagen eingestellt.
        Ich stöbere gerne in solchen Blogs. Lese wie es anderen Familien geht, schaue dabei zu wie die Kinder grösser werden etc. Früher war es das Fotoalbum indem mich alle beim ‘ersten Mal auf dem Töpfchen’ bewundern konnten. Nun ist es der Blog, den die ganze Welt lesen kann.

  2. Zuviele dieser Beispiele sind allzuoft aus der publizitätssüchtigen internationalen Promiwelt.

    Anscheinend aus der näheren Umgebung stammt:
    Die Mutter einer bloggenden Tochter: Sie weiss nie genau, wann was über sie geschrieben wird und wer’s dann liest. (Obwohl bis jetzt noch nichts richtig Arges dabei war.)

    Dazu meine Frage: Wieviele bloggende Teenager gibt es eigentlich?

  3. Pixel sagt:

    Haben Sie selbst das so verlinkt?

  4. Hedi sagt:

    Schlimm finde ich die Mütter, die ihre Kinder in Facebook präsentieren. Da tun mir vorallem die Kids leid.

  5. mia sagt:

    Gibt es denn solche, die zu beneiden sind? Wenn ja: wo kann man diese seltene Gattung denn bewundern?

    • plop sagt:

      Das ist aber arg negativ… Ich frage mich eher, wen gibts denn überhaupt zu bemitleiden? Mir fällt jedenfalls niemand ein.. Oder muss man Sie, mia, bemitleiden? Und wenn, warum? Weil Sie Kinder haben? Oder keine haben? hmmm

      • mia sagt:

        Das glaube ich Ihnen gern, dass Ihnen niemand einfällt, liebe/r Plop. Frustrierte Mütter outen sich selten, da nicht sein kann, was nicht sein darf. Es ist eben d a s Tabuthema schlechthin.

  6. Erika B. sagt:

    Ich hätte diesen Blog nicht gelesen, wenn er nicht von A.F. wäre … (Thema = oberflächlich).
    Aber sie kann das einfach.
    Besonders witzig find ich den Schluss: Meine Töchter sind (fast) ganz erwachsen, und ich beneide die Mütter mit jüngeren Kindern so gar nicht, wenns sie stolz einherspazieren :-) .
    Und ich grinse immer innerlich, wenn die mit den jüngeren Kindern glauben, Pubertät sei ein Zuckerschlecken. (Hab ich ja auch geglaubt.)

    • Valeria sagt:

      Nun ja, wenn einem ständig gesagt wird, wie anstrengend ein Baby ist und man nach einem Jahr geballter “Babyhaftigkeit” die Bilanz zieht, dass alles nicht nur halb so schlimm, sondern verhältnismässig “easy” abgelaufen ist… Ja dann nimmt man gewisse Aussagen nicht mehr ernst. Mal schauen, ein paar Jährchen bleiben noch.

  7. Valeria sagt:

    Auch wenn ich dabei bestimmt nicht mehr ruhig schlafen könnte, wäre mir lieber, meine Tochter springt dereinst aus kleinen Kapseln in 39km Höhe mit Fallschirmen auf die Erde, als in irgendeinen öden “eight-to-five”-Bürojob Kopien anzufertigen.

    Aber vielleicht habe ich da eine etwas andere Einstellung zum Thema “Leben”… ;-)

  8. Sgt Klinger sagt:

    Frau Fischer, you made my day!

  9. gugus sagt:

    zwillingsmütter taten mir füher auch leid. und jetzt… naja, lassen wir das…

  10. Roshan sagt:

    Worum geht es hier?

  11. A Müller sagt:

    Problem ist, dass man vorher nicht weiß und es sich auch nicht wirklich vorstellen kann, was es bedeutet Eltern zu sein. Welche Pflicht und Probleme und Ängste auf einem zukommen
    LG http://homeofficefuermuetter.blogspot.de

Kommentieren

Verbleibende Anzahl Zeichen:

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.

© baz.online