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Susanne Taverna am Sonntag den 2. September 2012

Alles nur Blabla?

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Alle Babys bilden am Anfang die gleichen Laute und Silben: Ein Junge plappert in ein Telefon. (Foto: Flickr/Alex Gaylon)

Die Sache mit der Sprache beschäftigt mich schon lange. Seit ich in der Kinderbibel von Remo H. Largo «Babyjahre» gelesen habe, dass einst Kaiser Friedrich der zweite (1194-1250) Babys geraubt hat, um die menschliche Ursprache zu finden, und deren Ammen dann angewiesen hat, kein Wort mit ihnen zu sprechen. Friedrich dachte, die Kinder würden so vielleicht hebräisch oder griechisch sprechen, statt deutsch, weil das eben die besagten Ursprachen sein könnten. Doch statt dass die Babys sprechen lernten, starben sie, so will es die Überlieferung. Bereits im 7. Jahrhundert vor Christus soll Pharao Psammetich ein solches Experiment durchgeführt haben. Ebenfalls erfolglos.

Largos Schlussfolgerung: Die Ammen haben durch die Sprachverweigerung auch keine Zuneigung an die Kinder weitergegeben. Deshalb sind diese dann gestorben, denn ohne Zuwendung kein Leben.

Mich hat diese Vorstellung immer schockiert. Es ist doch sehr wohl so, dass auch eine stumme Person zärtlich zu einem Kind sein kann, und es wohlbehütet aufwächst. Sprache ist ganz bestimmt etwas Wichtiges, aber dass an diesem Manko grad das Leben scheitert, das scheint mir irgendwie zu krass.

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Machte fiese Kinderexperimente: Kaiser Friedrich II.

Natürlich haben wir heute keine Ahnung, wie weit die Verweigerungs-Anweisungen von Kaiser Friedrich gegangen sind, aber seine Neugierde in Bezug auf die Sprachentwicklung kann ich durchaus nachvollziehen. Denn es ist schon eine kleine Sensation, wenn so ein Persönchen plötzlich munter vor sich her plappert, wenn auch in völlig unverständlicher Manier, so doch ganz klar sprechend und nicht mehr wimmernd oder lallend.

Unser Sohn ist eine richtige Plaudertasche. Morgens um sechs Uhr beginnt das Mundwerk zu laufen, und nur beim Schlafen steht es still. Und diese Wörter! Eines faszinierender als das andere. Ganze Geschichten kann er erzählen, experimentierend mit rollenden und anderen Lauten. Ich habe kürzlich im National Geographic gelesen, dass anscheinend alle Babys auf der Welt, egal in welchem Sprachgebiet, die exakt gleichen ersten Silben bilden. Ein Zufall quasi, dass sie bei uns grad etwas bedeuten.

«Baba» scheint weltweit der Favorit zu sein. Das scheint mir schon sehr interessant. Denn bereits in der Brabbelphase habe ich bemerkt, dass mein Sohn und jener von italienischsprachigen Bekannten zwar ähnlich plappern, aber die Melodien waren doch sehr unterschiedlich. Würde also heissen, die Ursprache, von Friedrich gesucht, die gibt es. Allerdings nicht als ausgewachsene Sprache, sondern aus Lauten. Das hätte der Friedrich also auch einfacher rausfinden können, ohne Menschenleben zu opfern!

Susanne TavernaSusanne Taverna ist Dienstchefin beim «Bündner Tagblatt» und Mutter eines einjährigen Sohnes. Sie lebt mit ihrer Familie in Chur.

15 Kommentare zu „Alles nur Blabla?“

  1. Muttis Liebling sagt:

    Dem Gedanken kann man sich nicht entziehen. Mama heisst auf Mandarin mā mā und Papa, man ahnt es, bà bā oder bà ba.

  2. Wozu sagt:

    Kinder lernen ja nicht erst sprechen, wenn sie selber reden, davor werden sie schon durch das geprägt, was sie hören.

    Ja, das ist tatsächlich so, dass Kinder schon in den ersten 6 Monaten von der Umgangssprache, die sie hören geprägt werden und Lauten dieser Sprache mehr aufmerksamkeit schenken als anderen…. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass das mit der Sprachmelodie stimmt…

    • mostindianer sagt:

      dazu: den singsang und die sprachmelodie der muttersprache (also der sprache, welche die mutter während der schwangerschaft spricht) bekommt das kind auch in den letzten monaten vor der geburt mit.

      • Cybot sagt:

        Das Kind hört im Bauch etwa so viel von der Mutter, wie du von den Badigästen hörst, wenn du im Schwimmbecken untergetaucht bist. Da versteht man rein gar nichts, kann ja jeder leicht ausprobieren.

      • Cybot: das ungeborene Kind hört die Mutter schon etwas deutlicher als Sie es meinen. In der 24. Schwangerschaftswoche beginnen sich die Anlagen für das Hören zu entwickeln. Etwa 8 Wochen vor der Geburt funktioniert das Gehör dann. Das Baby hört alle Töne, die von der Mutter ausgehen. Das Baby hört genau die Stimme der Mutter, alle gurgelnden Geräusche im Bauch und den rauschenden Blutkreislauf.

      • .. Die Stimme hört das Ungeborene über die Wirbelsäule, also über Knochen und Gewebe. Die Töne werden dann über das Fruchtwasser zu seinen Ohren geleitet. Geräusche ausserhalb des Mutterleibs hört das Baby nur sehr gedämpft.

      • mostindianer sagt:

        ich rede auch nur vom singsang, von der sprachmelodie. nicht von wörtern.

  3. Klabund sagt:

    Schöner Artikel, meine kleine liebt es auch ständig zu telefonieren…

    • Auguste sagt:

      hmm…, manche mädchen machen damit später sogar richtig karriere – wie z.b. die hinreissende debbie harry…

      youtube: blondie – call me

      …und er wurde mit einem telephongespräch sogar zur unsterblichen legende…

      youtube: conway twitty – hello darlin

  4. Pippi Langstrumpf sagt:

    Es ist ein Wunder, wenn man mit seinem Kind verbal kommunizieren kann. Ich vergesse nie, wie ich im Spitalbett lag, mein erstgeborenes Kind auf dem Bauch, das plötzlich einen leisen Ton des Wohlbefindens von sich gab, ich wiederholte den Ton genaugleich, es ging einen Moment, dann kam Antwort. So ging das eine Weile hin und her und ich bin absolut sicher, dass er mit mir kommunizierte, er war damals ungefähr 3 Tage auf der Welt. Das sind Momente des vollkommenen Glücks, wenn man merkt, das Kind versteht. Und nicht nur das, er fing an damit, er nahm verbal Kontakt auf, obschon er so klein war.

  5. xyxyxy sagt:

    na das ist jetzt nichts weltbewegendes, dass die ersten Laute mama oder baba sind
    a ist der einfachste Vokal und wie mir scheint geht ma oder ba einfach am natürlichsten, am einfachsten von den Lippen

    deshalb ist es ja auch nicht ganz einfach “das erste Wort” auszumachen.
    einer sagte: A-tu (Auto)
    der andere schei, schei, schei und nach drei Tagen schei -sse. aber das würde ich eher dem bla, bla zuordnen, denn einer bewussten Kommunikation, er sagte es nämlich selig strahlend
    jedenfalls toll und unvergesslich (sofern man es aufschreibt)

  6. Fistik sagt:

    xy

    ..muss doch sicher bei ihnen geschehem sein.. mit dem schei-schei….einfach unvergesslich !

  7. nudlsup sagt:

    Der Grund warum ein italienischsprachiges Kind und ein deutsches Kind nicht auf die gleiche Art vor sich hinplappern liegt darin, dass in den ersten Monaten die Umgebungssprache das Kind prägt. Es gibt Studien, die aufzeigen, dass am Anfang alle Kinder alle Laute bilden können und somit jede Sprache erlernen könnten. Wenn es also alle möglichen Laute für sich ausprobiert, werden die muttersprachlichen Laute durch die Umgebung verstärkt und die anderen gehen verloren. Den Singsang der Muttersprache bekommt das Kind auch tagtäglich mit und übernimmt ihn somit.
    (Notiz einer Logopädin)

  8. @Pippi Langstrumpf: Da bekommt man ja Gänsehaut! Schöne Geschichte. Danke dafür :)

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