
Lust auf Sex, nur nicht mit dem eigenen Ehemann: Jack Nicholson und Jessica Lange in «The Postman Always Rings Twice» (1981). (Bild: MGM)
Laut einer schön pünktlich zu Muttertag veröffentlichten Erhebung eines Fremdgehportals, sollen sich 70 Prozent der Mütter Sex zum Muttertag gewünscht haben, allerdings nicht mit dem eigenen Mann. Solche Umfragen und Studien zum Thema Sex und Ehe gibt’s zwar mittlerweile wie Sand am Meer. Aber Paare mit Sexfrust ja schliesslich auch. Passt also prima. Und verleitet zu einer kleinen Visualisierungsübung.
Zum Beispiel beim Spaziergang am See an einem sonnigen Sonntag, wie es dieser Muttertag einer war. Über sieben von zehn Müttern, die da vorbei spazieren und nett plaudern oder ihren Kindern die Glace-Resten aus den Mundwinkeln reiben, schwebt laut dem Fremdgehportal eine Denkblase mit eindeutigem Inhalt. Über Kinderwagen, Like-a-Bikes und Picknicks treibt eine gigantische Wolke aus Ballons voller anzüglicher Fantasien und verdunkelt den Familienhimmel. Unter dieser Decke trotten nichtsahnend liebe Kerle, lustige, langweilige und auch ein paar blöde. (Ihre Gedankenblasen lassen wir für heute mal weg.) Und sie sehen weder die Blase über dem Kopf ihrer Frauen, noch kommen sie darin vor.
Was so drastisch und übertrieben klingt, ist nicht sonderlich seltsam. Vorausgesetzt, man kann mit biologistischen Theorien etwas anfangen. Eine davon ist die Sexy-Son-Hypothese und ist mit achtzig Jahren relativ alt und logischerweise nicht unumstritten – aber auch nicht widerlegt. Sie will erklären, warum es strunznormal oder sogar sinnvoll ist, dass die Blasen und der Typ neben der Frau nicht immer deckungsgleich sind. Sie geht davon aus, dass wir alle nur eines im Kopf haben: Nämlich unsere Gene möglichst breit in der Weltgeschichte zu streuen (seid fruchtbar und mehret euch), um einen richtig fetten genetischen Fussabdruck zu hinterlassen, bevor wir zu Kompost werden.
Für Frauen ist das Weitergeben ihres Erbgutes jedes Mal mit neun mühseligen Monaten der Schwangerschaft verbunden, bei Männern im Prinzip nur mit einer kleinen Nummer. Blöd für die Frau. Zumindest genetisch. Aber es gibt Abhilfe: Sie kann sich einen Sohn zulegen, der das Genverteilen für sie übernimmt. Nun sind aber nicht alle Männer gleich, auch wenn die armen das von uns ständig zu hören kriegen: Es gibt gnadenlos vereinfacht gesagt das testosterongesteuerte Modell «plug-her-and-leave-her» und den treusorgenden Beziehungsmann. Beide dieser Extreme haben ihre Vorteile für die Frau: Der ruchlose Lover eignet sich als Spender für Ruchlose-Lover-Gene und damit als Vater für einen Sohn, der seine Mutter genetisch verewigt. Der Ehe-Typ wiederum empfiehlt sich als Partner, um gezeugte Kinder überhaupt bis ins Erwachsenenalter durchzubringen – Voraussetzung dafür, dass sie dereinst überhaupt Gene weitergeben können.
Das Fazit dieser Hypothese: Um langfristig biologisch erfolgreich zu sein, sollte sich eine Frau von einem Testosteron-Gorilla schwängern lassen. Im Idealfall jubelt sie das Kind dann als Kuckuckskind ihrem treuen und verantwortungsvollen Ehemann unter. Solches findet ja tatsächlich immer wieder statt. Laut dem Evolutionsbiologen Axel Meyer liegen die Häufigkeiten zwischen einem halben bis zu zwölf Prozent. Das alles klingt hart und wenn man es zu Ende denkt, versteht man, warum Männer stets in Sorge waren, was die Untreue ihrer Frauen anbelangt. Schliesslich ist Vaterschaft letztlich immer etwas Ungewisses.
Klar, ist die Sexy-Son-Hypothese nur eine Theorie von vielen, ein spannendes Modell. Für den Alltag als Paar ist sie kaum von Nutzen, egal ob sie stimmt oder nicht. Zum einen sind wir nicht nur biologische Wesen, zum anderen haben wir zumindest zu weiten Teilen einen freien Willen. Aber als anregende Brille, sich die Welt ab und zu aus einer anderen Perspektive zu betrachten und die Dinge mal in einem anderen Licht zu sehen, taugt sie alleweil. Und um einmal mehr Mani Matter zu bemühen: Ähnlichkeiten mit lebenden Personen, haben die sich selber zuzuschreiben.



Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Zürich. 





































































Spannend wäre, welche Stichprobe für diese Erhebung gewählt wurde. Ich nehme an, das Fremdgehportal hat Daten der eigenen Kundschaft erhoben.
- FREMDGEH Portal
- 7 von 10 Frauen haben Sexphantasien mit FREMDEN Männern
klingelts?
Die Kundschaft spiegelt nicht die durchschnittliche Schweizer Bevölkerung ab, sondern Menschen, die ein Fremdgehen in Erwägung ziehen und sich darum bei solch einem Portal einloggen..
Seitensprung zum Muttertag – ich stelle mir den Mann vor, welcher liebevoll mit seinen zwei Töchtern einen Gutschein bastelt, worauf mit farbiger Folie Buchstaben geklebt werden. Mit viel Eifer entsteht der Text “‘ LIEBE MUTTI , ALS DANK FÜR DEINE ARBEIT DAS GANZE JAHR DURCH …GÖNNEN WIR DIR EINEN TOLLEN SEITENSPRUNG !
VIVIANE und ANOUK
….wonach frische Blümchen gepflückt werden und am Muttertagmorgen , zusammen mit Frühstück ans Bett gebracht werden
Beno, lass das…Du nimmst den teaser zuuu wörtlich. Sooo genau wollen wir es gar nicht wissen oder findest Du es witzig?
Hallo Beno. Wo ist nun das Problem. Der Seitensprung oder das verletzte eigene Ego
Hallo raetus…ich erzähle eine Geschichte, das Problem hast du schon eher…damit
Ich find die Vorstellung übrigens echt witzig.
Stell mir auch die Kinderzeichnungen auf dem Gutschein vor…
Wenn Muttern sich Fremdgeh-Sex zum Muttertag wünscht, nur zu, tun Sie sich keinen Zwang an.
Make Love not War. Immer noch besser als dieser kranke Femi-Nazismus.
Immer wenn es um die eigene Geilheit und nen Freibrief zum Seitensprung geht, wird die “Nähe” zum Tier und dessen Trieben bemüht, das darwinsche Abo zum Massenvögeln…Ich kann ja nichts dafür, die Natur hat mich so gemacht…
Gut geschrieben und absolut richtig. Heute wird die Nähe zum Tier als Ausrede für Freisex immer und überall benutzt. Gleichzeitig möchte man aber mit Respekt behandelt werden… Komische Welt…
Also ich bin erstaunt, dass nur 7 von 10 Frauen, die ein Fremdgehportal besuchen auch tatsächlich fremdgehen wollen. Etwas anderes sagt diese Erhebung meiner Meinung nach nicht aus. Denn: wieviele Frauen gehen aufs Fremdgehportal? Ich war noch nie dort und alle Frauen, die ich kenne auch nicht. Nehmen wir mal an jede hundertste Frau geht auf dieses Portal, so wäre also nur jede 150zigste bereit fremd zu gehen…na ja, ganz so kann man es ja nicht rechnen, aber ich will damit nur aufzeigen, dass Frauen, die auf dieses Portal gehen in keinster Weise representativ sind…
Die Theorie ist komplett falsch wiedergegeben. Nachzulesen in “The Moral Aninmal” von Robert Wright. Wie sich eine Frau entscheidet, hängt entscheidend von ihrer sozialen Stellung und Selbstwertgefühl ab. Frauen mit schlechter sozialer Stellung und Selbstwertgefühl, die wenig Aussicht darauf haben, einen Mann zu finden, der sich um den Nachwuchs kümmert, nehmen einen Testosteron-Protz, weil so die Chance, dass das Kind auch ohne die Präsenz des Vater überlebt, höher ist, aufgrund der “aggressiven” Gene. Frauen mit besserer Stellung nehmen den Testosteroprotz mit Fiat UNO Turbo gar nicht wahr.
Ob und wie gut das Selbstwertgefühl ist, hängt bei Frauen wiederum entscheidend von der Vater-Beziehung ab. Diese Themen sind alle sehr gut untersucht und dokumentiert. Ich frage mich, wie die Autorin dazu kommt, dermassen schlecht recherchiert über irgendeine halbverdrehte Theorie wieder zu geben. Lektüre des Klassikers Moral Animal oder zumindest der entsprechenden Kapital daraus wäre das Mindeste!
“Das Fazit dieser Hypothese: Um langfristig biologisch erfolgreich zu sein, sollte sich eine Frau von einem Testosteron-Gorilla schwängern lassen. Im Idealfall jubelt sie das Kind dann als Kuckuckskind ihrem treuen und verantwortungsvollen Ehemann unter.” Und da wirft man uns Männer vor wir seien Schweine
Ich brauche wohl kaum zu erwähnen das dies unverzeihbar wäre. Nicht nur das ihr den Mann betrogen habt, ihr nutzt ihn auch noch aus und entmannt ihn damit vollständig. Glaubt mir Ladys, dass solltet ihr nicht machen wenn ihr euch einen Mann an eurer Seite wünscht
Fremdgehen ist so alt wie die Menschheit. Dabei wird frau auch nicht unbedngt schwanger. Ein Seitensprung oder eine Seitensprungphantasie passiert einfach, oder nicht – seis bei Frauen oder Männern. In einer Beziehung, in der Kinder und Haushalt im Vordergrund stehen und der Sex im besten Fall am Samstagabend stattfindet (wenn mann nicht zu müde ist…) tauchen Fremdgehphantasien automatisch auf – und auch sonst. Nicht nur am Muttertag:-)
Ein Seitensprung zum Muttertag? Nur zum Muttertag? Und nur am Geburtstag ein Auto, dass man sich zeitlebens nie leisten können wird? Und die Lohnerhöhung will man nur wenn der Performance Dialog ansteht?