
Unterschiedlicher Zukunftsaussichten: Vater und Sohn an einem Training der Schweizer Fussballnationalmannschaft in Freienbach SZ im Oktober 2011. (Bild: Keystone)
Fragt man meinen Sohn nach seinem Traumberuf, ist seine Antwort Fussballspieler. Wenn er mal gross ist, will er am liebsten beim FCZ spielen, doch bei den Young Boys «wäre auch ok». Wie so viele andere Buben in seinem Alter geht er regelmässig ins Fussballtraining. In der restlichen Freizeit spielt er mit Freunden Messi, Ronaldo und Djuric. Sie üben Flanken, Tricklis und den Torjubel ohne Ende.
Es ist süss wie er davon träumt, in ein paar Jahren an Spielen hoffentlich nicht mehr bloss vor ein paar Mamis und Papis zu kicken. Sondern im Letzigrund. Oder dem Stade de Suisse. «Klingt toll», sage ich ihm wenn er wieder einmal davon spricht. Dann müsse er weiterhin fleissig trainieren und immer gut dem Coach zuhören.
Dabei verschweige ich geflissentlich, dass ich ja eigentlich nicht wirklich damit rechne, dass er tatsächlich Profi-Fussballer wird. Natürlich würde ich ihn unterstützen, wenn er das Potenzial dazu haben sollte und er das wirklich will. Doch ich gehe davon aus, es handelt sich einfach um einen jener Traumberufe, die man als Kind eben hat. Ich kenne persönlich niemanden, der seinen Traumberuf auch tatsächlich umgesetzt hat. Der «Pilot» wurde Chemiker, die «Schauspielerin» Logopädin, der «Tierarzt» Journalist. Irgendwann hatten sich die Wunschvorstellungen in Luft aufgelöst. Die Kinder entwickelten andere Interessen oder hatten dafür zu wenig Talent.
Trotzdem frage ich mich, wie lange Eltern ihre Kinder punkto Traumberuf träumen lassen sollen. So lange wie nur möglich, um das Kind Kind sein zu lassen? Oder weniger lang, um es an realistischere Ziele heranzuführen? Anders gefragt: Wann sollten Eltern schulische oder berufliche Ambitionen für ihr Kind entwickeln?
Vor ein paar Wochen habe ich meinem Sohn gegenüber zum ersten Mal das Gymnasium erwähnt – und dass das vielleicht auch ein Weg für ihn sei. Es würden danach ganz viele Berufe möglich sein. Wir hatten vorher über ältere Kinder von Bekannten geredet, welche die Prüfung dafür absolviert hatten. Mein Sohn schaute mich leicht irritiert an. «Aber ich will doch Fussballer werden, das weisst du.» Stimmt. Er hat ja recht – und er ist erst knapp zehn, denke ich.
Je älter das Kind wird, desto mehr merkt es wohl sowieso, was es gerne tut und wo die eigenen Stärken liegen. Das Kind findet Schritt für Schritt jenen Weg, der richtig für ihn ist. Die Lehrer und wir Eltern können es dann in gegebenem Masse unterstützen. Jetzt schon zu versuchen irgendwelche Weichen zu stellen, ist wohl übertrieben.
Beim Fussballspieler ergibt sich die Sache sowieso von selbst: Entweder der Junge ist gut genug um weiterzukommen – oder eben nicht. Sollte das mit dem Fussballprofi nicht hinhauen, hat mein Sohn seit Kurzem eine zweite Idee, was er mal werden möchte: Koch. Er glaubt, er könne dann ganz viele Pizze und Fajitas machen. Die mag er am liebsten.
Gabriela Braun ist Redaktorin bei der Zeitschrift «Gesundheitstipp», freie Journalistin und Mutter eines neunjährigen Sohnes. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Erlenbach ZH.



Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Zürich. 




































































Jeder Traumberuf ist zu aller erst einmal ein Beruf und somit nicht unwichtiges Lernstück um Erwachsen zu weden. An welchem Stück man lernt ist dabei wohl nicht so wichtig. Somit darf es durchaus auch ein Lernstücksein, welches primär einmal Spass macht, um so, ganz natürlich und spielerisch, überhaupt einmal eine Auslegeordnung der beruflichen Seins zu erstellen, an Hand derer dann realistischere Berufe abgewogen und einsortiert werden können.