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Zum Rumpumpelblitz und Donnerschlag

Mamablog-Redaktion am Mittwoch den 21. März 2012

Ein Papablog von Rinaldo Dieziger.

Mamablog

Kasperli ist ein echter Schweizer Held: Ausschnitt vom Cover des ersten Kasperlitheater-Hörspiels von 1967. (Heinz Stieger / © Tudor)

Der Kasperli ist wieder da! Übermorgen, am 23. März, geht die rote Zipfelkappe mit zwei neuen Abenteuern an den Start. Geschrieben von den TV-Moderatoren Andrea Jansen und Nik Hartmann. Gesprochen wird der neue Kasperli von David Bröckelmann. Ganze 17 Jahre lag das Erbe von Jörg Schneider brach. Obwohl, ganz verzichten mussten wir ja nie. Man braucht nur die Zeitungen der letzten Monate durchzublättern. Da gab es das eine oder andere Kasperlitheater nachzulesen:

  • De Zwätschgeräuber gaat i d'Falle (Affäre Hildebrand)
  • De verbrännt Härdöpfelstock (Fukushima)
  • D'Fee Schwäfelblitz im Dracheloch (Widmer-Schlumpf)
  • Die gschtole Schatzchischte (Euro-Krise)
  • De flüügend Esel (Gripen)
  • D'Indianer-Zaubermedizin (Untergrenze Eurokurs)
  • De Schorsch Gaggo reist uf Afrika (Auschaffungsinitiative)
  • Die siebe Wunderchrüütli (Bundesratswahlen)
  • De Zauberbrunne i de Wüeschti (Bankgeheimnis)
  • De Gfröörli gaat go Schiifahre (Winter 2011/12)
  • S'Mondchalb und de Hurrlibutz (Mörgeli bei Schawinski)

Zum Pillelipülverlipötzelipotz! Unser Kasperli, «Der fröhliche Anarchist», so wusste die «Weltwoche» bereits vor einem Jahr, ist aktueller denn je. Und viel mehr als ein Märchen. Er ist ein echter Schweizer Held. Anders als der Pumuckl aus Bayern, der einen Meister braucht und die meiste Zeit unsichtbar durch die Werkstatt geistert. Oder der hölzerne Pinocchio aus Italien, dem doch spätestens beim Bankgeheimnis eine Nase bis nach Chiasso wachsen würde.

Der Kasperli prägte Generationen von Schweizern. Er brachte uns Diplomatie, Neutralität und Gerechtigkeitssinn bei. Er sorgte dafür, dass der Velochlauer ins Chefi kommt, dass Gärtnermeister Häckeli keine Angst mehr vor dem Rüeblidieb haben muss. Dass Cholderi und Polderi ein Riegel geschoben wird. Er schlichtete zwischen der Häx Nörgeligäx und dem Umemuuli, zwischen Zwängeli und Bängeli. Und am Ende siegte immer das Gute. Wir konnten fast so beruhigt einschlafen wie nach einem Film von Walt Disney.

«Anesitze, Ohre spitze!» Ab 23. März 2012 sind zwei neue Abenteuer mit Kasperli erhältlich.

«Anesitze, Ohre spitze!» Ab 23. März 2012 sind zwei neue Abenteuer mit Kasperli erhältlich.

Ich habe die Kassetten noch bis ins Gymi zum Einschlafen verschlungen und kann, wie Nik Hartmann, fast jede Folge auswendig. Ich bin gespannt, wann ihm das Trallalla zum ersten Mal auf den Wecker geht. Vielleicht dann, wenn die ganze Fahrt lang an die Costa Brava und zurück nichts anderes läuft. Obwohl, heutzutage hat ja jedes Kind seinen eigenen iPod. Äh, das neue iPad, sorry.

Die grosse Faszination an den Kasperli-Hörspielen liegt an der Kreativität im Umgang mit der uns so eigenen Sprache. Ich habe seit meiner Kindheit nie wieder so fasziniert einer Geschichte in Mundart zugehört. Jörg Schneider hat vermutlich mehr für den Schweizer Dialekt getan als irgendjemand sonst in den vergangenen 50 Jahren. Und um diesen ist es offenbar immer schlechter bestellt.

Vorletzte Woche am Schweizerischen Marketingtag erzählte mir jemand, dass auf den deutschen Samenbanken Mangel herrsche. «Weisch wieso?», wurde ich gefragt. «Wil all Wixer i de Schwiiz sind.» Potz Holzöpfel und Zipfelchappe!

Den bitterbösen Witz mögen uns die deutschen Freunde in der Schweiz verzeihen. Verdaut ihr am besten mit den neuesten Kasperli-Folgen: «De Seegeischt im Fürwehrweiher» und «S verzauberete Flugzüüg». Ab Freitag überall im Handel. Ich freue mich irrsinnig darauf.

Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Kasperlitheater?

rinaldoRinaldo Dieziger (36) ist Gründer und Geschäftsführer von Supertext, der ersten Textagentur im Internet. Er ist letztes Jahr Papa einer Tochter geworden und lebt mit seiner Familie in der Stadt Zürich.


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164 Kommentare zu „Zum Rumpumpelblitz und Donnerschlag“

  1. David sagt:

    Den Kasperl gibts in Bayern und Österreich genauso, ich weiss nicht, was an dem so typisch schweizerisch sein soll. Ist Bob der Boumaa auch typisch schweizerisch?

    • Radagast sagt:

      der jörg-schneider-chaschperli wohnt in höngg, schmilzt rieseneiszapfen mit einem fondue rechaud, bekommt probleme mit der polizei, weil das velo keine “nummer” hat usw…

      ausserdem ist er eben nicht der kasper, kasperl oder kasperle sondern der chaschperli.

      ernsthaft: schneider hat der figur schon einen sehr eigenen dreh gegeben, der sie von den anderen versionen unterscheidet.

  2. Auguste sagt:

    hmm…, jörg schneider hat vielen seiner rollen ein unnachahmlichen dreh gegeben. sein “hügü-vögeli” im damaligen “polizischt wäckerli-krimi” war einfach herrlich, genauso wie sein zusammenspiel mit paul bühlmann.

    youtube: george jones – who’s gonna fill their shoes

  3. Mathias sagt:

    “De Tüüfel Luusbelz unds arme Pilzfraueli”, war meine erste Kasperli-Schallplatte. Richtig gelesen, Schallplatte (Kasetten und CD kamen erst später). Meine beiden Söhne findens immer noch toll und hören Mundart, fernab vom hochdeutschen Geschwafel auf Kika etc, das zwar auch gut bist, aber nicht gemein hat mit der unerhörten Tonalität und Rhetorik von Jörg Schneider, Ines Torelli und allen anderen. Noch heute ein Dauerbrenner.

  4. Carolina sagt:

    Annika? Den hast Du mir jetzt aber verpasst! Nicht dass ich dafür wieder Haue bekomme – für diesen unfreiwilligen Nickwechsel.
    Pippi, ich habe noch ein Schmankerl für Dich (ist zwar der falsche Ort, aber Du kommst ja nie an die Orte Deines, ähem, früheren Schaffens zurück, daher hier): mein Mann treibt sich auch hier herum. Leider kann ich seinen Kommentar zu Deinem Treiben nicht wiedergeben, das wäre nicht jugendfrei und liefe unter ehrverletzend. Eines darf ich aber sagen: er meinte, er hätte mich gern mal wieder als Nur-Hausfrau und würde dafür auch das Geld rüberschieben…. Soll ich?

  5. Carolina sagt:

    OK, Pippi. Das mit dem Stundenlohn: lieber nicht. Sonst könnte er noch auf die Idee kommen, etwas von mir zu verlangen. Weisst Du, er ist nämlich bei uns die Haupt-Hausfrau – und bevor Du fragst, nein, er ist nicht arbeitslos, auch nicht (geistes-)krank – musst kein Mitleid mit ihm haben.

  6. Carolina sagt:

    Echt, verrate uns doch mal, wer….. Womöglich sogar Rollentausch? Unglaublich.
    OK, Pippi. Das mit dem Stundenlohn: lieber nicht. Sonst könnte er noch auf die Idee kommen, etwas von mir zu verlangen. Weisst Du, er ist nämlich bei uns die Haupt-Hausfrau – und bevor Du fragst, nein, er ist nicht arbeitslos, auch nicht (geistes-)krank – musst kein Mitleid mit ihm haben.

  7. Peter Konrad sagt:

    Ich durfte die beiden Geschichten bereits hören. Mir gefällts, wirklich begeistert bin ich aber nicht:

    Top:
    - Endlich neue Kasperligeschichten
    - Tolle Namen für die Fiuren, witzige Sprüche
    - Schöne Hintergrundgeräusche
    - Die erste Geschichte mit dem Teich ist richtig gut…

    Flop:
    - … obwohl diese “Hakan Yakin” Stimme für den essenden Jungen nervt
    - Die Kasperlistimme ist zu wenig prägnant. Oft spricht er ohne, dass man merkt, dass es Kasperli ist (klingt zu Erwachsen)
    - Die Grosi-Stimme ist sehr unpassend
    - Die zweite Geschichte ist völlig abgedreht, gekünstelt und wirr

    • radagast sagt:

      ich bin sehr skeptisch. ich glaube, für den chaschperli gilt, was auch für den highlander gilt (oder hätte gelten sollen, in anbetracht der grottigen sequels): es kann nur einen geben! jörg schneider ist chaschperli und chaschperli ist jörg schneider.

  8. Pixel sagt:

    Pippi, wenn der von Ihnen aufgeführte Text von Aziza-a Sie tatsächlich beeindruckt…. Dann braucht es nicht viel, um Sie zu beeindrucken!

    • Pippi Langstrumpf sagt:

      Wenn ich bedenke, aus welchem Umfeld die Autorin kommt, beeindruckt mich das. Muslimische Frauen sind oft Leibeigene des Clans, jeder Schritt in die Unabhängigkeit kann schwere Konsequenzen haben, Stichwort ‘Ehrenmord’. Solche Poesie ist nicht mit Rilke oder Eichendorff oder Kaléko, die ich liebe, zu vergleichen.

  9. Franz Oettli sagt:

    Bernhard Russi, Emil und auch der Kasperli sind Teil der Schweizer Volksseele. Auch die Enkel hören gerne dieselben Stücke, die wir schon unseren Kindern vorgespielt haben.

  10. Dario sagt:

    Auch ich habe den Chaschperli immer geliebt. Und auch ich glaube, dass es nie irgendjemandem möglich sein wird, Jörg Schneider auf Dauer zu ersetzen. Was ich aber besonders am Chaschperli liebe, ist etwas anderes: Nämlich seine ureigentümlich Art. Ich kann mich noch erinnern, dass ich den Globi schon relativ früh ziemlich doof fand. Auch der Globi ist äusserst Schweizerisch, aber eher negativ. Globi ist bünzlig und humorlos und manchmal auch etwas engstirnig. Halt ein richtiger Schweizer Füdlibürger. Der Chaschperli dagegen traut sich frech zu sein, ist mutig, kreativ und vor allem urkomisch.

  11. Julie sagt:

    Habe alle meine LP’s auf den Pc kopiert wobei ich gerade 5 LP vom Chasperli dabei hatte. Ich finde das diese Geschichten für unsere Kleinkinder viel besser wären als immer nur TV oder Internet schräg Filme anzu schauen

  12. Beno sagt:

    Hier noch eine Alternatieve zum “Züri – Chasperli – Terror ”

    http://www.berner-puppentheater.ch…mit Monika Demenga

  13. reiff heidi sagt:

    Den Emil Steinberger fand ich immer köstlich…….

  14. reiff heidi sagt:

    Es gibt auch noch ein Lied in Walliser-Dialekt, – der Tiefel isch gschtorbe, d Grossmuetter läbt no, sie het vor em zmorge es zweierli gno, ich mag diverse Dialekte in der CH, ich red eifach meistens so, wie mer der Schnabel gwachse isch, bi e Baslerbebbi nit vom TAIG, der Vogel Auerhahn gibt andere Töne ab als ein Aasgeier Tauben gurren, Zoologe Moser bringt in seinen Dokus die Ornis gut rüber, Vögel brauchen Nahrung auch Strassensperlinge.

  15. Heinz Meier sagt:

    Der frühere Kasperli war lustig (Schneider), der heutige ist leider sehr langweilig. Ich verstehe nicht, warum heute Schauspieler generell viel langweiliger sind als die früheren. Wahrscheinlich liegt es daran, dass es heute die Leute kein Format mehr haben.

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