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Kinder verboten

Jeanette Kuster am Sonntag den 11. März 2012
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Kinder müssen leider draussen bleiben: In den USA breitet sich die «No Kids Allowed»-Bewegung auf immer mehr Restaurants und Läden aus.

Erst waren es die Raucher, nun sind die Kinder an der Reihe: In den USA werden die jüngsten Mitmenschen von immer mehr Orten verbannt. Die «No Kids Allowed»-Bewegung, etwas weniger vornehm auch als «Brat Ban» bezeichnet, breitet sich je länger desto weiter aus und sorgt dafür, dass Kinder mittlerweile in etlichen Restaurants, Kinos und Läden quer durch alle Bundesstaaten nicht mehr zugelassen sind.

Angefangen hat das Ganze eigentlich ausserhalb Amerikas: Die Malaysia Airlines erliess 2011 ein Baby-Verbot für die First Class ihrer meisten Flüge. Die Geschäftsreisenden jubelten vor Freude und so dauerte es nicht lange, bis ein Restaurant in Pennsylvania die Idee für sich entdeckte und fortan jedes Kind unter sechs Jahren als Persona non grata abstempelte. Die Reaktionen der Gäste und der Bewohner in der Umgebung waren laut einer Umfrage mehrheitlich positiv, weshalb bald weitere Anbieter nachzogen.

Kinderfreie Zonen als schlagendes Verkaufsargument? Es scheint so. Die Zielgruppe, die sich solche Orte wünscht, besteht hauptsächlich aus sogenannten DINKS, Doppelverdienern ohne Kinder. Keine schlechte Kundschaft aus wirtschaftlicher Sicht: Sie haben Geld, mit dem sie sich gerne etwas Luxus leisten. Anders als Familien, bei denen das Portemonnaie meist nicht so locker sitzt.

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Einfach aus dem Bild schneiden: Werbung für kinderfreie Ferien. (Bild: Tjäreborg.fi)

Wenn es um edle Restaurants geht, in denen man sich zu einem romantischen Tête-à-Tête trifft, kann auch ich als Mutter den Wunsch nach einer gesitteten, kindergeschreilosen Atmosphäre nachvollziehen. Ja manchmal wünsche ich sie mir sogar selber, wenn unsere Tochter bei den Grosseltern übernachtet und mein Mann und ich wieder einmal einen Abend nur für uns haben. Und auch dass sich Kinderlose auf Leavethembehind.com bewusst ein Ferienressort aussuchen, in dem sie am Pool ganz sicher keinem Kleinkind über den Weg laufen werden, stört mich nicht weiter. Ich finde es im Gegenteil sogar positiv, sorgt es doch nicht nur bei den Kinderhassern selber, sondern auch bei den Familien für entspanntere Ferien, wenn sich die beiden Gruppen aus dem Weg gehen.

Kinder hingegen aus ganz normalen Cafés, Lebensmittelgeschäften oder gar von öffentlichen Plätzen (wie in Florida gefordert) zu verbannen, geht eindeutig zu weit. Würde man Menschen aufgrund ihrer Ethnie auf die gleiche Weise ausgrenzen, wäre das unbestritten rassistisch und somit gesetzeswidrig. Wieso also soll man eine Menschengruppe alleine aufgrund ihres Alters derart diskriminieren dürfen? Ja, Kinder sind gelegentlich laut, rennen manchmal durch die Gegend und schämen sich nicht, vor wildfremden Menschen in der Nase zu bohren. Bloss: Gibt es nicht auch Erwachsene, die sich in der Öffentlichkeit unangemessen verhalten? Pöbelt ein betrunkener 43-Jähriger in einer Bar die anderen Gäste an, wird man ihn vor die Tür setzen. Es käme keiner auf die Idee, deswegen ein Verbotsschild aufzuhängen, das künftig jedem Mann in den Vierzigern den Zutritt verbietet. Warum also wirft man alle Kinder und ihre Eltern in einen Topf, bloss weil es  ein paar unter ihnen gibt, die sich tatsächlich regelmässig daneben benehmen?

In der Schweiz bekommt man als Eltern die Abneigung Kindern gegenüber auch immer wieder einmal zu spüren, da werden Familien schon mal «versehentlich» aus Museen hinausbugsiert oder im ÖV mit giftigen Blicken traktiert, weil sie zuviel Platz in Anspruch nehmen oder es wagen, etwas lauter zu lachen. Lokale, die Kindern den Zutritt verbieten, sind aber nach wie vor selten. So sorgte das Restaurant L’O in Horgen 2008 mit seiner «Kinder unter 8 müssen leider draussen bleiben»-Policy für Schlagzeilen. Und die Café-Bar Infinito in der Zürcher Innenstadt war dank ihrem «Kinderwagen verboten»-Aufkleber auch schon Thema im Mamablog.

Ganz so konsequent halten sich die Betriebe allerdings nicht immer an ihre eigenen Richtlinien. Als ich 2010 für einen TV-Beitrag unter anderem das Infinito mit versteckter Kamera testen sollte, zeigte mir die hilfsbereite Kellnerin sofort einen idealen Abstellplatz für den Kinderwagen – nota bene im Lokal drinnen. Es war halt Mittwoch Vormittag und die Café-Bar fast leer. Wenn sonst keine Kunden auftauchen, nimmt man anscheinend dann doch auch gerne das Geld von Müttern mit ihren Kindern.

Was halten Sie von der «No Kids Allowed»-Bewegung? Ist die Idee im Grundsatz in Ordnung, solange sie nur auf gewisse Orte und zu bestimmten Zeiten angewendet wird? Oder sind Sie absolut gegen Verbote, da die Eltern schliesslich am besten wissen, welche Lokale kindertauglich sind? Ist die «Brat Ban» eine einfache Möglichkeit, zusätzliche Kunden anzulocken? Oder werden dadurch auf bedenkliche Weise Kinder und Eltern diskriminiert und zu Bürgern zweiter Klasse degradiert?


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388 Kommentare zu „Kinder verboten“

  1. Alex sagt:

    Kinder gehören erzogen, früh ins Bett und haben abends nichts in Restaurants zu suchen!

  2. Bombe 20 sagt:

    “Würde man Menschen aufgrund ihrer Ethnie auf die gleiche Weise ausgrenzen, wäre das unbestritten rassistisch und somit gesetzeswidrig.”

    Wie ist das eigentlich bei Frauentaxis, Frauenbuchläden, Frauenbadetagen, Frauenabteilen, Frauencafés, Frauenbibliotheken, Frauenhotels, Frauenkneipen, …?

    Sind die dann entsprechend auch unbestritten s… nein, sowas kann man ja im Ernst nicht einmal denken.

    B20

  3. Lupna sagt:

    tja, Geld rules the world… aber wie wär’s wenn man die DRINKS von der Nähe von Spielplätzen und Freizeitanlagen verbannen würde? Gibt es eigenltich solche Verbote auch in höchst kinderfreundlichen Ländern wie Thailand, Spanien oder Italien??? N

  4. C.P. Straw sagt:

    Grundsätzlich ist jeder Wirt frei, im von ihm betriebenen Lokal zu empfangen und zu bedienen, wen er will.
    Wenn ich zum Essen in ein Gourmetrestaurant ausgehe, passen Babygeschrei und Kinderlärm nicht zur Ambiance, für die der Gast ja nicht wenig bezahlt. Gäste, von denen erfahrungsgemäss zu erwarten ist, dass sie die Erbringung eines wesentlichen Elements der angebotenen Leistung vereiteln oder erheblich beeinträchtigen, dürfen abgewiesen werden, ja müssen abgewiesen werden zur Einhaltung des Leistungsversprechens an alle. Wer Kinder hat, muss sich entsprechend einrichten und einstellen.

  5. Bebri sagt:

    Wie sollen Kinder lernen, sich im stinknormalen Alltag zurechtzufinden, wenn sie davon ausgegrenzt werden? Wie dumm kann man sein? Kinderlos oder nicht – Kinder sind die Zukunft. Heute ist der Blick vieler enorm streng, Kinder waren schon immer Kinder, aber die Welt ist eng geworden, sie dürfen kaum mehr mucken. Traurig!

    • Hans Christoffel sagt:

      Mütter sollten wieder lernen, die Kinder auf den normalen Alltag vorzubereiten, nicht ausgrenzen. Ihnen den nötigen Anstand beibringen und wann und wo sie ihren Energien und dem Spieltrieb freien Lauf lassen können und dürfen. Komisch, dass die Eltern früher damit kein Problem hatten. Wir musste das lernen, bevor sie uns überall mitnahmen. Ein öffentliches Lokal ist absolut kein Spielplatz für Kinder.

  6. Lady B sagt:

    Ich finde es eigentlich logisch Kleinkinder Abends im teure Feinschmecker Restaurants zu verbieten. Man nimmt ja seine Sprosslinge unter eine bestimmte Alter auch nicht Abends ins Theater oder Kino. Sogar das Kindertheater Zürich hat eine untere Altersgrenze, nämlich 4.

    Wir gehen auch mit den Kindern gelegenlich Abends essen, aber dann nicht in ein Nobelbeiz, sondern in ein kinderfreundliches Restaurant.

  7. Hans Christoffel sagt:

    Wenn die Eltern heute imstande wären, ihre Kinder zu erziehen, so wär gäbe es kein Problem. Hat bei uns auch funktioniert. Wenn Kinder ein Lokal mit einem Spielplatz verwechseln, überall schreiend rumrennen, hochklettern, hinter der Theke bis in die Küche an allem rumfummeln und zerren, und den Service behindern so ist was falsch. Sie könnten auch von einem heissen Getränk verbrüht werden. Derweilen sitzen die Mütter palavernd zusammen und kümmern sich keinen Deut um die Kinder. Reklamiert der Wirt, ist er ein Kinderfeind. Das liegt daran, dass diese Mütter keine Ahnung von Erziehung haben.

  8. Wasabi sagt:

    Die Autorin kann dann doch nicht aus ihrer Haut und bezeichnet großflächig alle Leute, die keine Kinder haben und im Urlaub auch nicht die Kinder anderer Leute miterleben wollen als “Kinderhasser”.
    Wir sind DINK’s, arbeiten weitaus mehr, weil wir die Möglichkeit dazu haben, erhalten dafür auch mehr, zahlen dafür auch viel mehr Steuern, bekommen kein Kindergeld und haben höhere Steuersätze, sind viel seltener zu Hause und werden trotz allen Fleißes als aller Erstes rausgeschmissen, wenn es der Firma schlecht geht. Essen gehen und Urlaub kinderfrei sollte also schon drin sein!

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