Leben


Mamablog-Redaktion am Mittwoch den 18. Januar 2012

Seien Sie ein Vorbild!

Ein Papablog von Maurice Thiriet.

Junge Blut Maul

Keine Panik, alle Zähne sind noch drin: Ein kleiner Mann blutet nach einem Unfall.

In der jüngsten Ausgabe des Magazins stellt Kolumnistin Michèle Roten zwei Fragen. Die eine Frage ist, ob Buben wirklich Väter als Rollenmodelle brauchen. Oder ob «Menschen des öffentlichen Lebens» nicht völlig ausreichten. Die zweite Frage ist, wofür Buben – wenn überhaupt – real anwesende Väter als Vorbilder brauchten. «Für Dinge wie Sachen reparieren, Fischen, Feuer machen vielleicht schon.» Aber wofür sonst?

Zur ersten Frage: «Menschen des öffentlichen Lebens» reichen nicht. Die Buben müssen ungefiltert von einem Grossen abschauen können, der ihnen was zu sagen hat. Der ihnen «Zähneputzen» befehlen oder den Apfelsaft um Mitternacht verweigern kann. Von solchen Männern lernt man. Und zwar bei unspektakulären Events im Alltag. Nicht bei der «Tagesschau» oder «Tele Blocher».

Zur zweiten Frage (Wofür brauchen Buben Väter als Vorbild?): «Sachen reparieren, Fischen und Feuer machen» sind Dinge, die angehende Männer notfalls auch in der Pfadi oder vom Götti lernen können. Als Vater müssen Sie sich darauf konzentrieren, folgende Verhaltensweisen vorzuleben, die in einer postfeministischen Gesellschaft wenig wertgeschätzt werden, jedoch den Buben später ein würdevolles Mannsein überhaupt erst ermöglichen:

  • Vermitteln Sie Ihren Söhnen einen selbstbewussten Umgang mit dem eigenen Penis. Weibliche Betreuungspersonen können erfahrungsgemäss wenig Verständnis für die eingehende Beschäftigung mit Geschlechtsorganen oder für deren Zurschaustellung aufbringen und lassen dies Buben auch spüren. Tanzen Sie deshalb öfter auch nackt vor den Augen der Mutter oder den Grossmüttern der Kinder und schwingen Sie Ihren Penis, indem Sie die Hüften kreisartig bewegen. Animieren Sie Ihre Söhne mitzumachen, falls dies nötig sein sollte. Kritische Einwände kontern Sie mit dem Killerargument («Ihr seid doch alle nur neidisch!»).
  • Gehen Sie nie in weiblicher Begleitung einkaufen, sondern immer allein mit dem Sohn oder den Söhnen: In den Laden rein, Einkaufsliste abarbeiten, zahlen, schnell wieder aus dem Laden raus. Kein Anblick ist erbärmlicher als jener von Männern, die samstagnachmittags stundenlang resigniert das Einkaufswägelchen hinter ihrer kommandierenden Frau herschieben oder sich von dieser gar in gut hörbarer Lautstärke vorgetragenen Tadel anhören müssen. («Bringst du jetzt wirklich KNÖPFLI-MEHL?! Aber jetzt nicht im Ernst, oder? Hörst du eigentlich je zu? Ich habe SPÄTZLI-MEHL gesagt!!!»)
  • Bereiten Sie ausgewogene Mahlzeiten für Ihre Söhne zu, um sie schlank zu halten. Lassen Sie die Söhne auch mitkochen, damit diese dereinst auch Ihre Enkelkinder gesund und ausgewogen ernähren können. Es ist bekannt, dass die überwiegende Mehrheit der Frauen nicht mehr kochen kann. Finden Sie sich damit ab. Selbst in Gegenden, in denen die Hauswirtschaftslehre für Mädchen noch obligatorisch ist, deuten Frauen die Unfähigkeit zu kochen inzwischen als zu bewahrende Haupterrungenschaft der Emanzipation («Die letzten 2000 Jahre habt ihr uns Frauen gezwungen zu kochen. Das lasse ich mir nicht mehr bieten!»)
  • Weibliche Reaktionen auf einen blutigen Unfall sind immer unverhältnismässig, («Jemand muss SOFORT den Notarzt/den Krankenwagen/die Rega rufen!»). In der Regel gilt: Blutende Verletzungen töten nicht. Leben Sie im Fall eines Falles also eine angemessene Verhaltensweise vor. Dokumentieren Sie als erstes die entstandenen Verletzungen (siehe Bild) für die Nachwelt und die allenfalls abwesende Mutter. Beruhigen Sie dann die aufgewühlte Situation, indem Sie Abgeklärtheit demonstrieren und die Prioritäten richtig setzen («Schau bitte mal, ob die Zähne noch alle gut halten, es gibt gleich Schnitzelbrot.»).

mauriceMaurice Thiriet (32) ist seit 2008 Inlandredaktor beim «Tages-Anzeiger». 2011 gewann er den Nachwuchspreis des Zürcher Journalistenverbandes. Er lebt mit seiner Familie in Zürich.

644 Kommentare zu „Seien Sie ein Vorbild!“

  1. Gabi sagt:

    Schon klar, wie´s läuft, Widerspenstige.

    Machen Sie sich nichts draus. Sie konnten ja nicht wissen, dass ich schon wieder hier bin.

    Drehen Sie Ihr Karussell nur weiter und fragen Sie jeden Tag erneut (bestimmt machen Sie vor dem Compi beim Niederschreiben ganz grosse, unschuldige Augen, während Sie die Worte mit ihren Lippen stumm mitformen), ob Sie denn nun tatsächlich noch irgendwo eine Frage offen gelassen hätten.

    Irgendwann klappt´s bestimmt.

    Dann werde ich also nicht da sein, wodurch nichts mehr zurück kommt.
    Und Sie werden es unter “Also doch Recht gehabt!” archivieren können.
    ;-)

  2. Gabi sagt:

    Also, Widerspenstige:

    Jetzt können Sie rasch kommen und was verzapfen. Ev. gar die von Ihnen erbetene Frage beantworten.

    Bleibt auch eine Weile unwidersprochen stehen! (wenn´s auf echte Selbstreflexion hindeutet, sogar ganz. Versprochen!)

    Nutzen Sie die Gelegenheit – ich muss mal kurz weg.

  3. Gabi sagt:

    Gewisse Antworten bleibt man sich lieber schuldig.

    Gäll Widerspenstige?

    Oh… Oder soll´s besser gleich heissen: Gewisse Antworten bleibt man sich selber lieber schuldig.

    • Widerspenstige sagt:

      Guten Morgen Gabi, haben Sie so schlecht geschlafen?

      Das tut mir jetzt aber leid. Sind die nächtlichen Dämonen zu Besuch gekommen und haben Ihren wachen Geist vernebelt?? Sagen Sie mir, wo es uns heute wieder juckt, kratzt und einfach keine Ruhe gibt. Sie armer Irrläufer Sie.

      Bei uns schneit es fantastisch und alles ist wie in einem Märchenland überzuckert mit Schnee….und bei Ihnen Gabi? :roll:

      • Gabi sagt:

        Bleibt also dabei.

        Schon gedacht.

        …Aber gäll: NIcht klagen, beim nächsten Mal.
        Ich werde drauf hinweisen, was – in dieser Form so extrem wirklich nicht an der Tagesordnung hier – bei Ihnen stets aufs Neue im Oberstübchen abgeht.

      • Widerspenstige sagt:

        Ähm…Sie meinen, Gabi?

        Ich stehe tatsächlich auf meiner Begriffsleitung und weiss nicht, wo noch etwas brennt bei Ihnen (nur im Oberstübchen?!).

      • Gabi sagt:

        Natürlich nicht.

        Und eben: Beim nächsten Mal wieder mit ganz, ganz grossen Augen fragen… Ob es denn wirklich, wirklich möglich sei, dass SIE (sprachsensibel, wie Sie allewelt erlebt) etwas vergessen haben könnten.

  4. Gabi sagt:

    Gabi
    20. Januar 2012 um 13:50

    (aber ne etwas originellere, und vor allem selber kreierte, Ansage, wieso Sie sich dieses Mal – wie immer – wieder vor der selbst angetragenen Beantwortung drücken, hätten Sie sich ruhig einfallen lassen können. Wird jedenfalls vermerkt)

  5. Tamara sagt:

    naja, schlussendlich müssen es alle für sich selber wissen. wieso streiten? wieso nicht austauschen und tolerieren?

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