Leben


Nicole Althaus am Donnerstag den 23. April 2009

Machen Kinder glücklich?

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Nachwuchs soll nicht glücklich machen? Dabei waren wir doch alle selber Kinder! - Bürgerliche Kleinfamilie in den 1950-Jahren.

Die meisten Menschen, die Kinder wollen und bekommen, gehen davon aus, dass Mutter- und Vaterschaft eine Erfahrung ist, die zum Lebensglück beiträgt. Die meisten Menschen halten sogar an diesem Glauben fest, wenn er wissenschaftlich wiederlegt wird. Das ist im letzten Jahrzehnt immer wieder geschehen.  Ruut Veenhoven, 65, Herausgeber des «Journal of Happiness Studies» und Gründer der World Database of Happiness in Rotterdam, hat diverse Glücksstudien aus verschiedenen Ländern gesichtet und ist zum klaren Schluss gekommen: «Eltern bringen ein Glücksopfer».

Daten aus Europa und den USA beweisen, dass Eltern vor der Geburt ihres ersten Kindes zwar einen Glückszuwachs vermelden; dieser fällt aber nach der Geburt so massiv ab,  dass Mütter und Väter von Kleinkindern signifikant weniger zufrieden und glücklich sind, als Kinderlose. Und um diesen für einen Mamablog höchst depressiven Fakten noch eins drauf zu geben: Auch wenn die Kinder das Elternhaus längst verlassen haben, werden Mutter und Vater für ihre Mühe nicht belohnt: Ihr Glückslevel bleibt tiefer als das von Kinderlosen im selben Alter und mit gleichem Status.

Warum ignorieren wir Mutter- und Vatertiere diese Faktenlage so konsequent? Ist das ein Reflex zum Selbstschutz? Oder sind wir einfach  blauäugig gegenüber dem Unternehmen Nachwuchs? Veenhoven ist überzeugt: werdende Eltern sind desinformiert über die Konsequenzen der Aufzucht, weil sie alles von Müttern und Vätern wissen, die gern Grosseltern wären. Und weil sie Freunde haben, die ihre eigene Entscheidung für Kinder höchst selten mit den Worten kommentieren: «Oh Gott, es ist alles so mühsam!» Gemäss der Theorie von Daniel Gilbert, eines Amerikanischen Psychologen, wird das Märchen vom Kinderglück einfach erfolgreicher von Generation zu Generation weitergegeben, weil Kinderlose ihr Erfahrung nicht tradieren können. Ganz im Sinne von Darwin überlebe nur der Glaube, der eine Chance habe, weiterzuleben – auch wenn er falsch sei.

Aber, werden Sie jetzt fragen, was ist mit all den überwältigend schönen Momenten eines Elternlebens? Dem ersten Lächeln, den dicken Baby-Ärmchen, die sich einem entgegenstrecken, den ersten Worten, dem holprigen Liebesbrief des Erstklässlers zum Muttertag? Nun, sie geben uns einen grossen Glücksschub, aber der hält, gemäss Studien, nicht lange an. Was den elterlichen Alltag bestimmt, sind die sehr viel weniger angenehmen Kerntätigkeiten: Windeln wechseln, einkaufen, waschen, bügeln, putzen, Kinder irgendwohin bringen und wieder abholen. Und das grosse Gefühl des gestrigen Blogthemas: Angst.

Aufzucht ist manchmal ein wunderbar befriedigender, meist aber ein sehr harter und anstrengender Job. Anstatt diese Tatsache zu beschönigen, sollten wir uns vielleicht daran aufbauen. Die zu lieben, die uns bis zur Erschöpfung fordern  – das  ist wahrscheinlich die selbstloseste Leistung unserers Lebens. Vielleicht steckt ja gerade darin ein grosses Glück, das keine Studie zu messen vermag? Oder anders gefragt: Ist es nicht  – in beiden Wortsinnen – vermessen, mit einem Kind das eigene Glück vermehren zu wollen?

83 Kommentare zu „Machen Kinder glücklich?“

  1. Roland sagt:

    @ mamaia, Deinem Kommentar kann ich gar nichts mehr hinzufügen ausser perfekt geschrieben!
    Echt alles voll Treffend, ich habe ja mein Kommentar extra ein wenig “scharf” geschrieben, aber mit Deinem Statement hast Du mir voll den Wind aus den Segeln genommen:-)
    Es ist doch genauso dass im heutigen Leben der Respekt gegeneinander verloren geht und dass ist wirklich sehr Schade,
    man kann irgendwie nicht dagegen tun.
    Es ist einfach unsere hektische Zeit die einem so macht.

  2. tata sagt:

    ja endlich einmal aufgeräumt mit dem kindertraum! keine einzige meiner freundinnen mit kindern ist glücklich. alle sind genervt, überfordert, frustriert. ich kenne auch viele frustrierte männer, die nur mit ihren frauen bleiben wegen der kinder, jahrzehntelang in sau-miesen beziehungen hängen und krank dabei werden. wer meint sie/er ist unvollkommen ohne nachwuchs sollte sich fragen, welche lücke er damit stopfen will und was erziehung bedeutet. die grössten schäden die genau diese frustrierten anrichen ist schlecht zu erziehen. ich fordere einen eltern-führerschein, und eine woche 24h rund um die uhr babysitten bevor ihr selber kinder in die welt setzt!! es ist KEIN spass! kinder nein danke! steht dazu ihr kindelosen frauen! wir haben endlich die chance das zu entscheiden! seit es verhütung gibt!

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