Leben


Nicole Althaus am Montag den 16. August 2010

Das Aniston-Syndrom

MAMABLOG-JENNIFER-ANISTON

Babyglück für Jennifer Aniston – leider erst am TV: Szene aus «Friends».

Jede Frau meiner Generation hat mindestens eine Freundin oder Bekannte, die unter dem Aniston-Syndrom leidet.  Natürlich teilen diese nicht den schillernden Lebensweg des Hollywood-Stars, aber ihr sehr viel weniger glamouröses Liebesleben, wenn man vom Starstatus der Protagonisten absieht: Aniston hat zwar Brat Pitt geheiratet, aber ihn nie davon überzeugen können, mit ihr eine Familie zu gründen. Angelina Jolie, Anistons Nachfolgerin,  ist das im Nu geglückt.  Natürlich war die attraktive und nicht ganz dumme Aniston nie lange allein, aber bis heute auch nie zu dritt. Obwohl sie sich genau das sehnlichst wünscht. Irgendwie hat es nie geklappt: Entweder hatten die Männer zwar Sexappeal, aber waren kein «Vatermaterial» oder aber sie wären gute Väter geworden, aber das Kribbeln im Bauch hat gefehlt. Wie bei unseren Bekannten.

Wenn ich die 41-jährige Aniston in der «To Night Show» davon reden höre, dass sie nicht wie die Frau, die sie in ihrem neusten Film «The Swich» gespielt  habe, auf eine Samenbank zurückgreifen wolle, um sich den Kinderwunsch zu erfüllen, weil sie den Papa ihrer Kinder doch kennen wolle, und es vorziehe auf natürlichem Wege schwanger zu werden, dann frage ich mich manchmal, ob Aniston irgendwann in ihrem Leben Biologie-Unterricht genossen hat. Oder ob sie einfach so blauäugig ist, wie sie ausschaut.

Doch nun behauptet die Autorin Rachel Lehmann-Haupt, dass eine ganze Generation von Frauen unter dem Aniston-Syndrom leide: «Über die dunkeln Seiten der Tatsache, dass Frauen heute viel mehr Wahlmöglichkeiten haben als vor fünfzig Jahren», sagt sie, «darüber redet man wenig. Schliesslich wollen wir nicht anti-feministisch klingen, oder unselbständig oder wie Frauen, die alles  haben ausser Mann und Kinder. Schliesslich wurde uns doch ein Leben lang eingetrichtert, dass wir letztere nicht brauchen zum Glück, oder? Stattdessen sagen wir: «Ach, mach dir keine Sorgen, ich hab eine Freundin, die mit 43 noch schwanger geworden ist»,  sagt Rachel Lehmann-Haupt, «Und wir umfahren erfolglose IVF-Zyklen, Aborte und den hohen Preis, den wir für die hinausgeschobene Fortpflanzung partnerschaftlich und ökonomisch bezahlen, grossräumig.»

Rachel Lehmann-Haupt, selber Opfer des Aniston-Syndroms, hat beschlossen, mit der Beschönigung des Liebeslebens der Generation 35+ Schluss zu machen und Klartext zu reden: «Wenn ich zehn Jahre zurück könnte», schreibt sie in ihrem Buch In Her Own Sweet Time: Unexpected Adventures in Finding Love, Committment and Motherhood , «würde ich meinem jüngeren Ich einschärfen, sich ernsthafte Gedanken über eine zukünftige Familie zu machen. Ich würde ihm von meinen Zeitgenossinnen erzählen und ihren Problemen, schwanger zu werden, und ich würde mein 30-jähriges Ich ernsthaft fragen, ob es tatsächlich klug ist, auf den Rat unserer Mütter zu hören, und zuerst an die Karriere zu denken und erst dann an mögliche Kinder.»

Wenn die Autorin feststellt, dass heute eine natürliche Empfängnis beinahe als so altmodisch gelte, wie die Frage, ob die Frau dabei einen Orgasmus haben könne, dann spricht aus ihr nicht nur die notorische New Yorkerin. Sondern auch eine Tochter der Emanzipation. Es sind nicht nur die Fortschritte der Fortpflanzungsmedizin, die Frauen die Familienplanung hinausschieben lassen, es ist die Kombination von Unabhängigkeit, ökonomischer Macht und der modernen Hochstilisierung des Individualismus. Wir Frauen haben die Wahl. Und wir wählen zunächst den Beruf und erst viel später, manchmal zu spät, das Baby. Die Familie, so haben wir gelernt, die kann warten. Und dabei verdrängen wir, dass sie nicht ewig warten kann.

Die Fortpflanzungsmedizin schenkt uns Frauen zwar etwas Zeit. Aber macht uns die Möglichkeit, die Eier einfrieren zu lassen, tatsächlich frei? Oder fördert die Fortpflanzungsmedizin bloss den Glauben, dass sich Schwangerschaft und Mutterschaft planen, timen und beliebig hinausschieben lassen, wie ein berufliches Weiterbildungsprojekt?  Ist die Fortpflanzungsmedizin gar Feindin des Feminismus, wie es Dr. Eleanora Procu, die italienische Pionierin der Gefriermethode, behauptet? Weil wir damit Schwangerschaft zum Effizienzproblem degradieren und Mutterschaft marginalisieren? Und wo eigentlich bleiben in dieser ganzen Debatte die Männer und potenziellen Väter? Haben sie nicht auch ihren Teil zur Konjunktur der Last-Minute-Babys beigetragen?

254 Kommentare zu „Das Aniston-Syndrom“

  1. machos u.feministen das sind die seiten einer medaille.beides sind kompromislose fundamentalisten,die nur in den kategorien :maennlich oder weiblich denken koennen.man kann im leben nicht den” batzen und das weggli”haben. man muss sich entscheiden..aber gerade das wird den menschen eingeredet.die maenner u.frauen glauben dies nur zu gerne und jammern dann ,wenn sie merken ,dass sie ueberfordert sind.

  2. Kinder kriegen wir. Wir können Kinder nicht bestellen. Es ist wider die Natur, irgendwelche Vorkehrungen – mechanische, hormonelle oder medizinische – zu treffen, um Kinder zu verhindern, die Natur zu behindern, Kinder irgendwann später mit Hilfe irgendwelcher Quaks herzustellen.

    Kinder können wir nicht planen; nie und nimmer. Wir nehmen diese dankbar an, wann immer sie kommen….. Uebrigens, sie kommen, wir lassen sie nicht kommen. Wir können sie nicht kommen lassen. Bei jeder Spezies geht es um das Ueberleben, das Weitertragen der Gene. Gestorben wird, wenn die Natur keine Nachkommen mehr zulässt. Die Kultur auf der nördlichen Hälfte des Erdballs hat ihren Weg gewählt. Der Paradigmawechsel von Fruchtbarkeit zu Wohlstand ist mit dem Beginnn der Industrialisierung schon im neunzehnten Jahrhundert eingeläutet worden. [die Fertilitätsrate pendelte um durchschnittlich 7 (sieben) Kinder pro Mutter um das Jahr 1900; nur hundert Jahre später ist diese Rate je nach Land auf 1 - 1.3 KInder gesunken; im Land der Päpste ist sie am tiefsten]

    Dies bedeutet, dass im Verlauf der Zeit zwei sterben nachdem sie lediglich 1 1/3 (einskommadreidrei) gezeugt haben. Völker mit dieser Politik überaltern, verzehren ihre Ersparnisse, überbürden die himmelhoch aufgetürmten Schuldenberge den kontinuierlich zahlenmässig schrumpfenden Nachkommen.

    Sämtliche Generation seit Beginn der Industrialisierung handelten zum Schaden ihrer Kinder und Kindes Kinder, letztlich sich selber, verantwortungslos, gedankenlos, verführt von dem geschickt propagierten in Aussicht gestellten neuen Lebensstil. Die Gier nach mehr und noch mehr ward’ geweckt. Grassierender Egoismus kaschiert mit Selbstverwirklichung geschürt von jenen, welche sich dem exzessivem Wachstum der Volkswirtschaft verschreiben, bringt die Bevölkerung zum Verschwinden.

    Der vermeintliche Wohlstand ist nur auf Zeit geborgt. Die Regel, dass nur eine wachsende Bevölkerung Volkswirtschaften wachsen lassen, wird von der Politik geschickt ausgedribbelt. Je weniger Kinder geboren werden, desto mehr Frauen werden von deren zunehmend kleineren Familien weggeholt, um sie dem System der modernen Sklaverei zu Gunsten anonymisierten Kapitals zuzuführen. Für die wenigen übrigbleibenden Kinder werden Krippen gebaut, Tagesschulen eingeführt, Mittagstische ins Leben gerufen. Die Mütter lassen ihre Kinder fremdbetreuen; die Mütter lassen es zu, ihren Kindern entfremdet zu werden.

    Die Kinder werden zurechtgeschliffen, indoktriniert durch von staatllichen Institutionen – diese legen letztlich die Bildungsprogramme fest – fabrizierten ebenfalls indoktrinierten Betreuern, um aus diesen Infanten infantil zu haltende produktive Konsumfaktoren herzustellen. Selbiges wird angestrengt von Politikern von weit links bis Mitte rechts. Das Volk wird dem Kapital geopfert. Die dummen Linken – sie beweisen es mit ihrem grotesk-lächerlichen Program – lassen sich vor den Karren der Verführer spannen. Sie gehören zu den Verführten, geblendet nehmen auch sie am ihnen zugedachten Wohlstand teil.

    Die durch geschicktes Marketing zu vermeintlicher Selbstbestimmung, Selbständigkeit, Selbsverwirklichung verführte Frau lässt sich für dumm verkaufen. Sie glaubt, mit der Hilfe arroganter Mediziner – besser wohl Medikametriker – der gottgegebenen Natur ins Handwerk pfuschen zu können; weit gefehlt. Karriere mit Kinderkriegen zu vereinen, gelingt nur jenen, welche an der Pfründe teilhaben und eh schon alles haben. Der grosse Rest sind halt eben nur sogenannte irregeleitete METOOFrauen. Sie bezahlen die Zeche durch mit zunehmendem Wohlstand einhergehendem Verlust der Lebensqualität; sie werden krank. Zufriedenheit weicht Stress.

  3. berit legner sagt:

    , Ihre Lösung ist Bevölkerungswachstum (oder einfach weiterhin 7 Kinder durchschnittlich pro Frau) oder oder oder

    Man kann es also gar nicht oft genug sagen, auch wenn man meinen müsste dass das Problem der Überbevölkerung Allgemeinbildung sein müsste.

    Lebten 1950 noch 2,5 Milliarden Menschen auf der Welt, sind es heute etwa 6,8 Milliarden und die Prognosen des Department of Economic and Social Affairs (UN/DESA) reichen von 8,0 bis 10,5 Milliarden Menschen für das Jahr 2050. Nach mittleren Entwicklungsprognosen wird die Bevölkerungszahl im Jahr 2050 bei 9,15 Milliarden liegen.

    Vor allem in Hinblick auf die globalen Ressourcen ist die Bevölkerungsentwicklung von großem Interesse, da Wachstum gekoppelt mit ökonomischer Marktintegration eine beschleunigte Reduzierung der natürlichen Vorkommen bedeutet.
    Entsprechend hat sich der ökologische Zustand der Erde verschlechtert.
    (http://www.bpb.de/wissen/I6T8RL,0,0,Bev%F6lkerungswachstum.html)

    Überbevölkert ist ein Land, wenn es seine natürliche Lebensgrundlage zerstört.
    Schon lange vorher wird es in einem solchen Land, auf unserer gesamten Erde nicht mehr genug Raum und andere Ressourcen für ein gutes Leben geben.

    In diesem Sinne können wir glücklich sein über Familienplanung, sie ist im Sinne der Natur. Denn…
    Ich muss es jetzt etwas platt sagen: Wir können unser Gehirn benutzen um solche Prozesse zu begreifen und positv zu beinflussen. Dieses Gehirn wurde uns von der Natur “gegeben”.

  4. Bruno Biondi sagt:

    Ist Jennifer schuld, dass ihr Mann jahrelang keine Kinder wollte? Oder ist die Ursache nicht eher die: Männer wollen keine Kinder bis 40 oder 45????

  5. Schlaan sagt:

    Warum muss mann Kinder undebingt haben?
    Sie sind keine Haustiere, keine teuere Klamotten. Mann kann sie nicht wegschmeissen oder ins Tierheim bringen, wenn mann von ihnen genug hat. Sie sind kein Liebesbeweiss an den Partner. Sie bleiben lebenslang in unserem Leben.
    Mann sollte Kinder endlich mal ernst nehmen. Sie geben uns viel mehr, als wir ihnen. z.B. eine Möglichkeit eine zweite Kindheit zu erleben, über lustige und weise Denkweise zu staunen, eine unbegrenzte und bedienungslose Liebe zu erleben, uns fit und jung zu fühlen. Dazu sind nicht alle Erwachsene bereit, sie müssen sich für Kinder erst dann entscheiden, wenn sie bereit sind, ein Kind zu erleben und es zu lieben. Ich würde gern sagen, dass das Alter hier keine Rolle spielt. Das wäre aber gelogen. Eine Mutter, die mit 40 ihr erstes Kind gekriegt hat, geht Risiko ein, dass ihr Kind ein hartes Schicksal treffen wird. (meine Kollegin hat mit 41 einen Bub gekriegt, um ihr Partner zu binden, mit 46 ist sie an Krebs gestorben. Der Partner wollte vom Kind nichts wissen. Der Bub wurde von seiner Tante, die um 57 ist, adoptiert.) Cinderella effect ist doch beänstigend, oder?

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