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Dieter Liechti am Freitag den 4. Mai 2012

Ein Londoner Star-Fotograf lässt
die königliche Garde tanzen

Der Fotograf Gideon Hart sorgt mit seiner Bilderserie «Olympic Guards» für Aufregung in London. Kunst oder Kitsch, englischer Humor oder Majestätsbeleidigung – die schrägen Bilder spalten das Königreich. 

Starke Mauer: Im Bild von Gideon Hart versuchen die Gardisten einen Freitstoss abzuwehren.

Ein bisschen Spass muss sein: Nach diesem Motto hat sich der 45-jährige Fotograf und Bildkünstler Gideon Hart mit dem Thema «Olympische Sommerspiele» auseinandergesetzt. Und weil der erfolgreiche Reportage- und Werbe-Fotograf im besonders kreativen Londoner Stadtteil Camden Town lebt – wo sich Musiker und Touristen, Models und Punks, Alkoholiker und Junkies «Gute Nacht» und «Guten Tag» sagen –, hat er nach einem ganz eigenen Ansatz gesucht.

Und gefunden: Gideon Hart inszenierte in Manchester und London eine aufwändige Bilderserie, in der er die königliche Garde mitten in die Olympische Sommerspiele integriert. Aber die Männer, die sonst durch ihre stoische Ruhe faszinieren, sind bei Hart nicht etwa nur Zuschauer, sondern Athleten oder Punktrichter. Wenn auch mit einer ganz speziellen Kleidung: Denn selbst im Pool, auf dem Bike oder beim Kampf um den Fussball glänzen die Guards mit polierten Knöpfen, tadellos sitzender Uniform und der obligaten Bärenfellmütze.

Bilderserie «Olympic Guards» von Gideon Hart: Kunst oder Kitsch…

Was dem Fotografen und den Besuchern der Ausstellung im «The Bank Restaurant» (45 Buckingham Gate, SW1E 6BS) viel Freude bereitet, soll im Buckingham Palace nicht nur eitel Freude hervorgerufen haben. Doch vor Strafen müssen sich die Garde-Models nicht fürchten, denn es handelt sich bei den Models nur um ehemalige Garde-Mitglieder und Soldaten, die der Londoner Fotograf für die verschiedenen Shootings gecastet hat.

Und wie kommt man auf eine derartige Idee? «Die spukt schon seit 15 Jahren in meinem Kopf rum», lacht Gideon Hart. «Ich fuhr damals den Birdcage Walk in London runter und sah eine Truppe der Garde vor den Wellington Barracks exerzieren. Alle sahen gleich aus, nur einer trug anstelle der Bärenfellmütze eine riesige Chefkochmütze.» Dieses Bild ging dem Fotografen nicht mehr aus dem Kopf und noch am selben Tag rief er bei der Garde an und fragte nach dem Grund für diesen Kopfschmuck. «Solche Sachen kommentieren wir nicht», sagte die Stimme am anderen Ende des Telefons und hängte auf.

15 Jahre später hängen die Früchte dieses Erlebnisses an den Wänden des «The Bank Restaurants». «In dem Moment, als London die Zusage für die Olympischen Sommerspiele bekommen hat, wusste ich, was ich machen wollte», erinnert sich Hart, der die limitierten Prints auch direkt über seine Homepage www.gideonhart.com verkauft.

Kunst oder Kitsch, Majestätsbeleidigung oder englischer Humor? Was halten Sie von den Bildern von Gideon Hart?

… englischer Humor oder eine Majestätsbeleidigung?

3 Kommentare zu „Ein Londoner Star-Fotograf lässt
die königliche Garde tanzen“

  1. Heiner Müller sagt:

    Ich kenne harte, kriegserprobte Gardistenoffiziere, die lachen darüber. Weil sie Humor haben. Alle anderen zählen nicht und sind keinen Kommentar wert.

    • Heiner Müller sagt:

      Was ich noch vergessen habe: Bünzlige, langweilige, sich zu ernst nehmende Leute gibt es natürlich überall. Nicht nur in der BAW (Besten Armee der Welt) der EIdgenossenschaft, sondern rund um den Erdball.

  2. Dan61 sagt:

    Cool. Nach all den Security-Diskussionen – Boden-Luft-Raketen auf Wohnhäusern… – tut es gut zu sehen, dass die Briten ihr höchstes Gut, den Humor, noch nicht verloren haben. Ich finde die Bilder amüsant. Und ich würde mich nicht wundern, wenn die Idee des Fotografen schon bald nachgeahmt wird.

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