Biotechaktien brauchen gute Nerven

Der Schatz von Idorsia ist die Produktepipeline: Sitz der Biotechfirma in Allschwil BL. Foto: PD

Der Schatz von Idorsia ist die Produktepipeline: Sitz der Biotechfirma in Allschwil BL. Foto: PD

Als früherer Aktionär von Actelion habe ich nun eine grosse Position der neuen Idorsia-Papiere zugeteilt bekommen. Soll ich diese über die Börse verkaufen oder behalten? M.F.

Mit dem Vollzug der Übernahme der Actelion durch die amerikanische Johnson & Johnson haben alle bisherigen Aktionäre pro Actelion-Titel eine Aktie der Idorsia ins Depot erhalten. Seit kurzem werden diese Papiere an der Schweizer Börse gehandelt. Ich halte Idorsia für eine interessante Gesellschaft. Allerdings brauchen Sie einen langen Atem.

Obwohl Idorsia eine Teilabspaltung der verkauften Actelion ist, ist die Biotechfirma gar nicht so klein: Immerhin verfügt sie seit Beginn über einen schönen Betrag in Cash von einer Milliarde Franken sowie die Möglichkeit, einen Kredit bei Johnson & Johnson im Umfang von nochmals einer Viertelmilliarde Dollar in Anspruch zu nehmen. Der eigentliche Schatz der Idorsia, welche rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, ist indes die Produktepipeline: Die Forschungsfirma hat immerhin vier klinische Phase-II- und fünf Phase-I-Medikamente auf Lager.

Das bedeutet auf der einen Seite, dass die Risiken bei der Aktie hoch sind. Wenn nämlich einzelne dieser Medikamente scheitern, schickt dies die Titel in den Keller. Sollten die Produkte aber zum Erfolg gebracht werden, könnten die neuen Aktien noch einiges an Wert zulegen.

Schon heute wird Idorsia an der Börse mit über einer Milliarde Franken bewertet. Die Tatsache, dass an Johnson & Johnson an der Idorsia beteiligt bleibt, wenngleich aufgrund von Auflagen der EU-Wettbewerbsbehörden nur begrenzt, und als Partner wirkt, schafft für die Forschungsfirma auch im wichtigen US-Markt ideale Voraussetzungen. Sie müssen sich überlegen, ob Sie das erhöhte Risiko, welche eine reine Biotechforschungsfirma beinhaltet, übernehmen können und wollen. Sie müssen bei diesen Aktien auch in nächster Zeit mit markanten Kursschwankungen rechnen, was nicht jedermanns Sache ist.

Falls Sie aber über die nötige Risikobereitschaft verfügen, würde ich die Idorsia-Titel behalten. Der Umstand, dass die führenden Köpfe hinter Idorsia Jean-Paul und Martine Clozel sind, welche bereits Actelion gegründet und zu einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte gemacht hatten, weckt bei mir nicht geringe Hoffnungen. Jean-Paul Clozel hat grosse Ambitionen: Idorsia soll zu einem führenden europäischen biopharmazeutischen Unternehmen werden. Nach all dem, was, Jean-Paul und Martine Clozel bei Actelion vollbracht haben, stufe ich die Chancen als gut ein, dass dieses Ziel mittel- bis langfristig erreicht wird. Bis dahin braucht man als Idorsia-Aktionär aber wohl einiges an Durchhaltewillen und starke Nerven, denn die Risiken sind bei diesem Titel hoch.

 

1 Kommentar zu «Biotechaktien brauchen gute Nerven»

  • Karl von Bruck sagt:

    Bingo!

    Frueher gruendeten Leute Firmen und behielten sie. Heute wird laufend gegruendet und die Haelfte der Gruendungen endet innert 5 Jahren im Konkurs. Die Erfolgreichsten weden nach China und den USA verscherbelt. Die meisten Gruender setzen sich dann mit ihren Millionen oder Milliarden zur Ruhe. Einige versuchens nochmal; wieder mit vollem Risiko fuer die Aktionaere….

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.