Was bei Geldanlagen wirklich wichtig ist

Individuelle Risikoabschätzung: Denn Sie alleine tragen bei Buchverlusten die Konsequenzen. (Foto: iStock)

Habe circa 200’000 Franken, die ich anlegen könnte. Auf der Bank gibts ja keine Zinsen mehr. Darum: In welche Fonds soll ich anlegen? M. F.

Eine kurze und einfache Antwort gibt es darauf nicht: Denn noch wichtiger als die eigentliche Fondswahl ist die Frage, welche Ziele Sie mit Ihrer Anlage verfolgen, welches Ihre Lebensumstände sind und welche Risiken Sie in Kauf nehmen können und wollen. Daraus leitet sich auch Ihr Anlagehorizont ab. Wenn Sie das Geld investieren möchten, um später eine bessere Altersvorsorge zu erreichen, ist dies eine andere Voraussetzung, als wenn Sie kurzfristig etwas Geld für die Ferien mit dem Kapital dazuverdienen möchten oder es in ein oder zwei Jahren für den Kauf oder die Amortisation von allfälligem Wohneigentum benötigen.

Nachdem die Lage bei der AHV und den Pensionskassen trotz der vom Parlament gutgeheissenen Rentenreform 2020 auch künftig angespannt bleibt und alle, die heute noch im Erwerbsleben sind, davon ausgehen müssen, dass sie später weniger Rente bekommen, rate ich Ihnen, Ihr Kapital möglichst im Hinblick auf Ihr Alter anzulegen. Mit dem Ziel, nach der Pensionierung einen höheren Lebensstandard zu erreichen oder wenigstens den bisherigen Standard einigermassen halten zu können.

Falls Sie noch keine 3. Säule besitzen, würde ich jeweils jährlich den Maximalbetrag in diese einzahlen und von den Steuern abziehen. Prüfen können Sie auch, ob Sie mit einem Teil des Geldes eine freiwillige Einzahlung in Ihre Pensionskasse vornehmen können. Auch solche Einzahlungen können Sie von den Steuern abziehen, was viel ausmacht. Erst recht, wenn Sie freiwillige Einzahlungen gestaffelt über mehrere Jahre hinweg vornehmen. Unter dem Strich erreichen Sie mit dem Kapitaleinsatz nach Steuern eine sehr attraktive Rendite. Solche Einzahlungen sollte man aber nur in solide Kassen tätigen.

Abgesehen davon würde ich das Kapital auf keinen Fall auf dem Konto liegen lassen, sondern, wie von Ihnen angesprochen, in verschiedene Fonds investieren; wobei ich nicht alles Geld in einem einzelnen Strategiefonds anlegen würde, wie dies einige Banken oft empfehlen, sondern bewusst verschiedene Vehikel nutzen würde. Denn selbst Fonds, die in der Vergangenheit sehr gut gearbeitet haben, bieten keine Garantie, dass sie auch in Zukunft eine Toprendite erzielen.

Wichtig ist ferner, dass Sie auf die Gebühren der Fonds achten: Diese fressen Ihre Rendite weg. Vor diesem Hintergrund würde ich eher sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs) kaufen, welche an einen Index gekoppelt sind und deutlich tiefere Gebühren aufweisen als aktiv verwaltete Fonds.

Diversifizieren sollten Sie nicht nur bei der Wahl der Produkte, sondern vor allem auch punkto Anlagegruppen, Regionen und allenfalls Währungen. Gerade Letztere beinhalten meist erhebliche Risiken. Diese können Sie einschränken, indem Sie entweder nur in Franken investieren oder Produkte mit Währungsabsicherung erwerben. Mit verschiedenen ETFs können Sie praktisch alle Anlagegruppen wie Aktien, Obligationen, Immobilien oder auch Gold und Rohstoffe abdecken. Je höher der Aktienanteil ist, den Sie wählen, desto grösser sind auch die Gewinnschwankungen – leider aber auch die Risiken und Kursschwankungen.

Falls Sie aber einen Anlagehorizont von zehn Jahren oder mehr haben, würde ich eher einen höheren Aktienanteil wählen, da die Renditemöglichkeiten insbesondere auf lange Sicht deutlich höher sind. Welcher Mix für Sie sinnvoll ist, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen, da Ihre individuellen Bedürfnisse, Ziele und Umstände bei der Festlegung der Strategie unbedingt in den Anlagevorschlag einfliessen sollten.

Vor diesem Hintergrund empfehle ich Ihnen, sich von zwei oder drei Banken je einen konkreten Anlagevorschlag auf Basis Indexfonds ausarbeiten zu lassen. Dann können Sie vergleichen und entscheiden. Zuvor müssen Sie sich aber selbst überlegen, welche Risiken für Sie vertretbar sind, ohne dass Sie später schlaflose Nächte haben, wenn es an den Finanzmärkten wieder einmal stürmisch wird. Genau dies ist trotz aktueller Rekordstimmung an den Aktienmärkten jederzeit möglich. Darum ist vor allem für Aktienanlagen ein langer Anlagehorizont eine Grundvoraussetzung.

Lassen Sie sich von niemandem drängen, sondern hören Sie auch auf Ihr Bauchgefühl. Sie alleine tragen die Konsequenzen, falls Sie auf Buchverlusten sitzen. Wenn Sie genau wissen, was Sie mit Ihrem Geld wollen, und sich ernsthaft mit den Risiken auseinandergesetzt haben, können Sie in stürmischen Phasen einen ruhigen Kopf bewahren und Ihre Langfristziele mit Ihrem Kapital auch tatsächlich umsetzen.

4 Kommentare zu «Was bei Geldanlagen wirklich wichtig ist»

  • Josef Marti sagt:

    Wenn man in einer vernünftig aufgestellten PK angeschlossen ist bleibt die beste Anlage immer noch sich laufend einkaufen und daneben natürlich Säule 3a, Steuerersparnis ist vorläufig die beste und sicherste Rendite. Zwar ist auch künftig mit weiteren Rentensenkungen resp. Umwandlungssatzsenkungen zu rechnen, das trifft den Versicherten aber mit oder ohne Einkauf. Aufgrund der ständigen Rentensenkungen öffnen sich dafür für die Aktiven laufend höhere Deckungslücken. Es ist deshalb nur eine Frage der Zeit bis die Politiker den Kapitalbezug verbieten werden. Heute sind die PK’s froh um jeden der das Kapital bezieht um die lästigen Anlagesorgen los zu werden.

  • Robert Wood sagt:

    Geld auf keinen Fall auf dem Konto liegen zu lassen scheint mir eine fragwürdige Empfehlung. Vorausgesetzt die Gebühren sind minimal, ist ein Konto auch ohne Zins eine Option, mit Null Risiko und hoher Flexibilität. Mit 3.Säule Konto erhält man den Steuervorteil auch.
    Die Alternative mit 10 Jahre oder mehr Anlagehorizont ist der extreme Gegenpol. Man verzichtet praktisch auf das Geld für diesen Zeitraum, muss mit Schwankungen und der Möglichkeit eines Verlustes am Ende umgehen können, und wird bestraft bei einem Kurswechsel in der Anlagestrategie oder bei einem Wechsel des Anbieters. Nachträglich stellt man fest das eine andere Wahl besser gewesen wäre. Die Frage ist ob man nochmals 10 Jahre hat für einen zweiten Anlauf.

  • Kurt Staub sagt:

    Ohne hier irgendwelche eigenen Interessen zu dienen (habe bisher kein Geld beim oder via VZ angelegt), kann ich empfehlen, vor einer Anlage am Markt den Rat des Vermögenszentrums VZ einzuholen. Dieses hat Büros in verschiedenen Städten der Schweiz. Das VZ gibt es bereits seit Jahrzehnten. Das Herausragende scheint mir die Unabhängigkeit von Banken und Versicherungen. Genau wie Blogger Spieler empfiehlt das VZ steuergünstige Einlagen in PK und 3. Säule und danach ETFs. Aber welche, das ist ja die Qual der Wahl. Ohne Hilfe von unabhängigen Profis gehts kaum.

  • Franz Gödl sagt:

    Es fragt sich, ob es sinnvoll ist nach 8 Jahren der steigenden Kurse sein Geld jetzt in eine 3A-Säule zu investieren, wo diese doch nun 75% Aktien halten. Korrigiert die Börse, was sie normaler Weise ab und zu tut, dann sind die Steuervorteile im Nu davongeschmolzen.

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