Aktienverkauf: Der perfekte Zeitpunkt

Oerlikon-Papiere: Erfreuliche Entwicklung in den letzten 12 Monaten. Foto: Reuters

Oerlikon-Papiere: Erfreuliche Entwicklung in den letzten 12 Monaten. Foto: Reuters

Ich bin im Besitz von 700 Namensaktien OC Oerlikon. Gerne möchte ich Sie anfragen, ob ein Verkauf zum heutigen Zeitpunkt ideal wäre. M. J.

Ich muss Sie enttäuschen: Den idealen Zeitpunkt für einen Aktienverkauf und übrigens auch einen Aktienkauf gibt es vorausblickend nicht. Sie können lediglich rückblickend feststellen, ob ein Kauf oder Verkauf kursmässig zu einem guten Zeitpunkt erfolgte oder nicht. Deutlich wird dies anhand der von Ihnen gehaltenen Aktien von Oerlikon.

Ob ein Verkauf Ihrer Oerlikon-Papiere ideal ist oder nicht, hängt auch von der Haltedauer ab. Wenn Sie diese Titel seit über zehn Jahren im Depot hätten, hätten Sie den idealen Verkaufszeitpunkt längst verpasst. Vor zehn Jahren notierten die Oerlikon-Aktien auf fast 110 Franken und fielen später auf unter drei Franken. Nun hoffe ich für Sie, dass Sie die Titel zu einem günstigen Zeitpunkt erworben haben. In den vergangenen zwölf Monaten stieg der Kurs immerhin um fast 50 Prozent. Aus diesem Blickwinkel müsste ich Ihnen zu einem Verkauf raten: Denn dann könnten Sie Ihre Kursgewinne ins Trockene bringen.

Gleichzeitig müssen Sie aber bedenken, dass der Kurs auch deutlich höher steigen kann, zumal sich der Industriekonzern operativ erfreulich entwickelt, wie die Zahlen für das erste Quartal 2017 gezeigt haben. Aufgrund des starken Wachstums bei Surface Solutions haben die Verkäufe angezogen und die Profitabilität nahm deutlich zu, wozu der Bereich Drive Systems massgeblich beitrug. Obwohl der Bereich Manmade Fibers noch zu etwas Sorgen Anlass gibt, hat das Management von Oerlikon aufgrund positiver Bestellungseingänge die eigenen Ziele für das laufende Jahr erhöht. Der Auftragseingang legte in den ersten drei Monaten um rund ein Fünftel zu und der Auftragsbestand verbesserte sich gar um 30 Prozent. Das Betriebsergebnis erhöhte sich um zwölf Prozent. Dies sind alles vielversprechende Aussichten, zumal Oerlikon in diesem Jahr eine erhöhte Ebitda-Marge von 14 Prozent prognostiziert.

Meines Erachtens müssen Sie aber bei Oerlikon sowohl operativ als auch bei der Aktie auch künftig mit starken Schwankungen rechnen. Obschon ein weiterer Anstieg der Aktie möglich ist, würde ich jenen Investoren, die Kursgewinne verzeichnen, eher raten, ihre Gewinne ins Trockene zu bringen, zumal auch die Wahrscheinlichkeit einer breiten Marktkorrektur gestiegen ist.

Wie ich Ihnen anfangs geschildert habe, gibt es den idealen Zeitpunkt für den Verkauf nicht. In der Regel fahren Sie aber in Phasen mit Good news bei den Unternehmen mit einem Verkauf immer besser, als wenn Sie kurzfristig die Titel abstossen müssen, weil sich die Aussichten für das Unternehmen verschlechtern.

Wenn Sie jetzt Ihre Gewinne ins Trockene bringen, gehen Sie das Risiko ein, mögliche weitere Kursanstiege zu verpassen. Doch dieses Risiko würde ich eher in Kauf nehmen als mögliche spätere Buchverluste aufgrund einer Kurskorrektur.

4 Kommentare zu «Aktienverkauf: Der perfekte Zeitpunkt»

  • Herber Rieder sagt:

    unabhängig???
    habe nun schon einige Empfehlungen gelesen.
    Die klingen alle, als wenn sie direkt von einem bankberater kommen.
    tja, wenn mann damit Geld verdienen kann, ist das schön, mann ist dann unabhängig.

  • Anh Toàn sagt:

    „…würde ich jenen Investoren, die Kursgewinne verzeichnen, eher raten, …“

    Wird oft so gedacht, aber ob eine mi Gewinnabsicht gekaufte Anlage zu verkaufen ist, hängt nicht vom Einstandspreis oder -zeitpunkt ab.

    Generell würde ich zum Gegenteil raten: Verluste realisieren (also die Verlierer verkaufen), Gewinne laufen lassen. Und allenfalls von den Gewinnern einen Teil der Postion verkaufen, wenn keine Verlierer mehr im Depot sind.

  • Franz Gödl sagt:

    Da muss ich Anh Toàn Recht geben. Der Verkaufsentscheid darf nicht davon abhängen, wie viel Gewinn oder Verlust die Position hat. Das ist an sich schon fahrlässig, solch eine Empfehlung abzugeben. Wenn sich der Investor vor Aufgabe seines Kaufauftrages ein Szenario zurecht legt, wo er den Ausstieg sowohl bei Erreichen des Gewinnziels als auch beim Erreichen der Schmerzgrenze
    definiert, muss man sich nicht im Nachhinein mit dem Rücken zur Wand eine Entscheidung aus dem Daumen saugen, die dann in der Regel genau verkehrt ist (verkaufen auf dem Tief).

  • RTA-Blogger sagt:

    Der perfekte Zeitpunkt ist JETZT. Alle Aktien inkl. NESN und die Banken, etc. stehen vor einem CRASH.

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