Lonza-Aktien können sich lohnen

Lonza-Fabrik in Visp: Die Pharma- und Biotechfirma ist strategisch gut aufgestellt. Foto: Key

Lonza-Fabrik in Visp: Die Pharma- und Biotechfirma ist strategisch gut aufgestellt. Foto: Key

Ich besitze 65 Lonza-Aktien, und es gab eine Kapitalerhöhung. Soll ich die Aktien weiter behalten? M. B.

Ja. Ich stufe die Aussichten von Lonza als vielversprechend ein. Der Lifescience-Konzern hat für die ersten drei Monate dieses Jahres positive Ergebnisse vorgelegt und scheint mir strategisch gut aufgestellt. Lonza hat sogar die Wachstumsaussichten für das laufende Jahr erhöht und dürfte im ersten Semester organisch zweistellig wachsen. Bereits im letzten Jahr hatte Lonza Rekordzahlen erreicht.

Besonders gut unterwegs ist der Konzern im Pharma- und Biotechsegment. Hier konnte dank der Säugetierzellkultur-Produktion und der klinischen Entwicklung der Lizenzierung der Umsatz weiter gesteigert werden. Hier sehe ich für Lonza das grösste Potenzial. Auch im Bereich Specialty Ingredients steigt die Rentabilität. Risiken beinhaltet hingegen das Segment Bioscience Solutions, das sich als Folge von Qualitätsmängeln im amerikanischen Werk Walkersville abgeschwächt hat.

Ein gewisses Risiko beinhaltet auch die Grossübernahme der amerikanischen Capsugel. Deswegen wurde eine Kapitalerhöhung durchgeführt, was den Kurs in letzter Zeit belastete. Der Kauf kostet hohe 5,5 Milliarden Dollar. Durch die Übernahme des Kapselherstellers mit 3600 Mitarbeitenden an 13 Standorten auf drei Kontinenten will Lonza rascher wachsen und das eigene Angebot ergänzen. Lonza erhofft sich, mittels Capsugel zum bevorzugten Partner für ihre Pharmakunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu werden.

Nach Angaben des Lonza-Verwaltungsrates wächst Capsugel schneller als Lonza und würde somit das Wachstum des Gesamtkonzerns beschleunigen. Kritisch anzumerken ist aber, dass längst nicht alle Grossakquisitionen gelingen. Nicht selten erweisen sich solche Zukäufe später als zu teure Fehlgriffe. Im Falle von Capsugel scheinen die Voraussetzungen aber vielversprechend, und ich gehe davon aus, dass sich die Übernahme lohnt.

Auch unabhängig vom Capsugel-Erwerb hat Lonza die eigenen Prognosen für das laufende Jahr angehoben. Das Umsatzwachstum werde im hohen einstelligen Bereich liegen, statt wie zuvor prognostiziert im mittleren einstelligen Bereich, stellt Lonza in Aussicht. Und beim Kern-Ebitda soll ein Wert von über 1 Milliarde Franken erreicht werden.

Trotz dieser positiven Prognosen müssen Sie sich bewusst sein, dass die Lonza-Aktien keineswegs mehr günstig sind und vor der Kapitalerhöhung phasenweise auf einem Allzeithoch notierten. Dennoch würde ich die Titel behalten, da ich weiteres Kurswachstum aufgrund der vielversprechenden Geschäftsaussichten erwarte.

Dazu beitragen dürfte auch die Tatsache, dass die Papiere von Lonza anstelle von Actelion, die von Johnson&Johnson übernommen wurde, nun in den Swiss-Market-Index aufgenommen wurden und damit zu den wichtigsten Börsenschwergewichten der Schweiz zählen. Dies erhöht nicht nur das Interesse für die Lonza-Titel, sondern führt auch zu Zusatzkäufen gerade auch von institutionellen Anlegern, die in ihren Portefeuilles den SMI abdecken möchten.

 

2 Kommentare zu «Lonza-Aktien können sich lohnen»

  • Albert Fiechter sagt:

    Seit 2012 hat die Lonza-Aktie einen quasi linearen Anstieg zum jetzigen Allzeithoch gemacht. Wie weit es noch zum Gipfel ist, weiss man nicht. Der Kauf einer Aktie im Hoch birgt die Gefahr, dass man sehr leicht zum Bezahler der Gewinne der andern wird. Haette ich damals die Aktie fuer unter 40 Sfr. gekauft, wuerde ich jetzt nur noch nach dem guenstigsten Verkaufspunkt sondieren.

  • Franz Gödl sagt:

    Die Aktie auf diesem Niveau zum Kauf zu empfehlen ist fahrlässig und entspricht dem typischen Verhalten, indem bereits erkennbare Gründe für den Anstieg in die Zukunft extrapoliert werden. Wie viele Fälle braucht es, die beweisen, dass die Aktienentwicklung den Geschäftsverlauf vorweg nimmt und nicht umgekehrt, dass man das als „Profi“ begreift?

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