Europa-Aktien hängen am Tropf der Politik

Konjunktur in Europa: Die Wahlen in Frankreich könnten dem Aufschwung einen Strich durch die Rechnung machen. Foto: Reuters

Konjunktur in Europa: Die Wahlen in Frankreich könnten dem Aufschwung einen Strich durch die Rechnung machen. Foto: Reuters

Alle reden vom Aufschwung in den USA. Doch für uns viel wichtiger ist Europa. Sehen Sie Anzeichen für eine Erholung in Europa, und ist es sinnvoll, vermehrt in europäische Aktien zu investieren? R. K.

Ja, es gibt in der Tat Anzeichen, die auf eine weitere Erholung der Konjunktur in Euro hinweisen. Der wichtige Einkaufsmanagerindex für die Eurozone im Februar weckt Hoffnungen, dass der Aufschwung nicht nur in den USA, sondern auch in der Eurozone an Tempo gewinnt.

Überraschend hat sich die Einkäuferstimmung in der Industrie und im Dienstleistungssektor markant verbessert. Der PMI Manufacturing legte von 55,2 auf 55,5 Punkte und der PMI Services von 53,7 auf 55,6 Punkte zu. Zudem nahm der Gesamteinkaufsmanagerindex PMI Composite von 54,4 auf 56 Punkte zu. Dies entspricht einem Wert, wie wir ihn seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Hoffnung macht die Tatsache, dass sich die Einkaufsmanagerstimmung in den wichtigsten EU-Ländern Deutschland und Frankreich deutlich aufgehellt hat.

Für uns in der Schweiz ist Deutschland überdurchschnittlich wichtig: Hier erreichte der deutsche PMI Manufacturing mit 57 Punkten das höchste Niveau seit fast 70 Monaten. Weniger gut entwickelt sich dagegen die Industrie in Frankreich, immerhin gewinnt hier der Dienstleistungssektor. Dafür, dass die Wirtschaft in der Eurozone stärker in Fahrt kommt, spricht auch, dass die Unternehmen vermehrt neue Mitarbeitende eingestellt haben, mehr Aufträge ausweisen und es in vielen Firmen zunehmend zu Lieferengpässen gekommen ist. So gesehen, besteht zu Recht einige Zuversicht für die Konjunktur in der Eurozone, was in der Tat ein starkes Argument für ein höheres Engagement in europäischen Aktien darstellt. Zumal die Euro-Aktien im Vergleich zu den US-Papieren weit weniger gestiegen sind und mehrheitlich auch eine günstigere Bewertung aufweisen.

Leider hat die Sache wie vieles im Leben einen Haken: Die künftige Entwicklung der Wirtschaft und der Börsen in Europa ist in den nächsten Monaten stark von der Politik abhängig. Vor allem die Wahlen in Frankreich könnten der sich derzeit abzeichnenden Erholung einen dicken Strich durch die Rechnung machen. Sollte bei den französischen Präsidentschaftswahlen im April und Mai der Front National und deren Chefin Marine Le Pen einen Sieg erreichen, wäre mit einem Dämpfer für die Konjunktur und die Aktienmärkte zu rechnen. Und zwar ganz einfach darum, weil Marine Le Pen den Euro abschaffen und zur EU auf Distanz gehen will.

Bereits im Wahlkampf hat sie angekündigt, dass sie im Fall eines Sieges die Verträge zwischen Frankreich und der EU auflösen und neue, weit lockerere Vereinbarungen treffen möchte. Die EU als Gemeinschaft würde dann in der bisherigen Form vor einem Zusammenbruch stehen, was sowohl bei den Währungen, insbesondere beim Euro, als auch bei den Aktien einige Turbulenzen verursachen würde.

Die Folgen eines Wahlsiegs von Marine Le Pen für Europa sind schwer absehbar, dürften aber gravierend sein. Vor diesem Hintergrund würde ich trotz der positiven Konjunkturdaten mit einem Kauf europäischer Aktien vorderhand abwarten und zuerst schauen, wie die Wahlen in Frankreich ausgehen.

 

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