Was passiert an den Börsen, wenn Marine Le Pen gewinnt?

Marine Le Pen: Ihr Abschneiden bei den Wahlen in Frankreich ist entscheidend für den weiteren Verlauf der Aktienmärkte in Europa. Foto: Key

Marine Le Pen: Ihr Abschneiden bei den Wahlen in Frankreich ist entscheidend für den weiteren Verlauf der Aktienmärkte in Europa. Foto: Key

In Frankreich und Holland stehen Wahlen an. Was passiert, wenn eventuell neue Regierungen aus der EU austreten? Werden alle Vereinbarungen gestoppt und neu verhandelt? R. P.

Der Ausgang der Wahlen in Frankreich und Holland schwebt derzeit wie ein Damoklesschwert über den Finanzmärkten. Noch entwickeln sich die Aktienmärkte, angetrieben von den Rekordständen an der Wallstreet, auch in Europa mehrheitlich positiv. Die politische Unsicherheit über das Wahlresultat vor allem in Frankreich und dessen Konsequenzen für die EU und die Wirtschaft als Ganzes veranlasst allerdings einige Investoren zur Zurückhaltung. Dies ist mit ein Grund, dass die Börsen in Europa weit weniger gut laufen als die US-Märkte, welche von der Regierung Trump und deren Wahlversprechen angefeuert werden.

Entscheidend für den weiteren Verlauf der Aktienmärkte in Europa ist meines Erachtens die Wahl in Frankreich. Hier steht eine grosse Frage im Raum: Könnte die stark nationalistisch ausgerichtete Marine Le Pen und ihr Front National entgegen den Erwartungen der französischen Eliten doch noch eine Mehrheit gewinnen und allenfalls sogar Präsidentin werden? Was lange als völlig undenkbar schien, kann nicht mehr ganz ausgeschlossen werden. Jedenfalls sehen Umfragen Le Pen bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am 23. April in einer starken Position. Dass sie dann auch die Stichwahl am 7. Mai gewinnen kann, dafür besteht noch eine sehr hohe Hürde. Nachdem die Finanzmärkte bereits vom Brexit, dem Austritt von Grossbritannien aus der EU, im letzten Juni und dann erneut durch die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten überrascht wurden, wäre dies für die Börsen die dritte grosse Überraschung innert kurzer Zeit.

Anders als nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten erwarte ich nach einer überraschenden Wahl von Marine Le Pen in Frankreich erhebliche Turbulenzen an den Börsen. Denn die Vorsitzende des Front National sprach sich im Wahlkampf eindeutig für einen EU-Austritt ihres Landes aus. Würde es nur schon zu einer Abstimmung über einen Verbleib Frankreichs in der EU kommen, brächte dies die Börsen stark unter Druck. Immerhin ist Frankreich neben Deutschland die tragende politische Säule der EU. Ein Austritt Frankreichs aus der EU wäre das Ende der europäischen Staatengemeinschaft und in der Konsequenz wohl auch des Euro als gemeinsames Zahlungsmittel.

Die Folge wäre ein Crash an den Aktienmärkten und beim Euro. Die europäische Wirtschaft als Ganzes wäre über längere Zeit geprägt von grosser Unsicherheit, da die bestehenden Vereinbarungen aufgelöst werden müssten. Wie beim Brexit gäbe es auch dann bilaterale Verträge unter den verschiedenen Staaten. Wie diese ausgestaltet wären und welches die Konsequenzen wären, darüber kann man zum jetzigen Zeitpunkt nur spekulieren.

Mit dem Szenario EU-Austritt von Frankreich rechne ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht – auch nicht mit der Wahl von Marine Le Pen zur französischen Präsidentin. Dennoch sollte man als Anlegerin und Anleger auch ein solches Szenario nie ganz ausschliessen und prüfen, wie das eigene Depot aufgestellt ist, falls es dennoch überraschend zu einem Sieg von Le Pen und einem späteren möglichen Votum der Franzosen über einen EU-Verbleib käme.

Vor diesem Hintergrund empfehle ich, das eigene Portefeuille auf die möglichen politischen Risiken in Europa zu checken und hohe Eurobestände entweder zu reduzieren oder abzusichern. Gerade die Abstimmungen in Grossbritannien und den USA haben gezeigt: Politisch ist momentan vieles möglich.

 

 

7 Kommentare zu «Was passiert an den Börsen, wenn Marine Le Pen gewinnt?»

  • Martin Thalmann sagt:

    Frankreich könnte nur profitieren, wenn Sie zumindest aus dem Euro aussteigen würde. Gemäss H.W. Sinn müsste Frankreich 33% abwerten können, um wieder konkurrenzfähig zu sein. Lange geht das nicht mehr so weiter – auch wenn Frau Le Pen nicht gewinnen sollte, steht der Crash vor der Haustür.

  • Karl Hugio sagt:

    Herr Spieler, Sie tun so, als ob ein Aktiencrash oder Eurocrash problematisch wäre. Doch für einen unternehmerisch denkenden Investor sind es genau diese Ereignisse, die einen Einstieg zu tiefen Preisen ermöglicht. Als Finanzexperte sollten Sie dies eigentlich wissen und auch so vermitteln. Warum ist Volatilität und Unsicherheit für Sie ein Problem? Die Zukunft ist unbekannt, das ist doch normal. Die meisten Anleger haben jahrzehntelange Anlagehorizonte, da spielt eine einzelnes politisches Ereignis im Jahr 2017 überhaupt keine Rolle. Helfen Sie doch den Anlegern, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich auf die Kaufgelegenheit vorzubereiten, anstatt ununterbrochen Alarm für dieses und jenes zu schlagen. Das machen schon tausende andere Journalisten.

  • Federico Lier sagt:

    Das gleiche haben sie gesagt vor Trump gewaehlt wurde und die Angstmacher waren total falsch. Es wird im besten interessen von Frankreich sein jemanden an der spitze zuhaben die fuer Frankreich ist und nicht fuer die Globalen Banken und Kriegswirtschaft.

  • Alois Gut sagt:

    Lieber Herr Spieler: Reden Sie einmal mit einem Zahnarzt in Frankreich. Fillon wird ganz klar gewinnnen. Juppé ist extrem unbeliebt und musste als Premierminister deswegen bereits einmal zurücktreten. Dass er unbeliebt ist, weiss er auch selber. Gemäss Umfragen wird der FN auch im zweiten Wahlgang auf dem zweiten Platz landen. Und Macron können Sie abschreiben: Frankreich ist katholisch und konservativ, genauso wie mein Französischer Zahnarzt. Also, keine Panik.

  • Martin Seeger sagt:

    … und zweitens kommt anders als man denkt. Die Börsen werden aufholen. Das ist Angstmacherei was sie hier schreiben Herr Spieler. Ich denke zwar nicht das Le Pen gewinnt, sollte es aber doch der Fall sein werden grössere Indexes um mindestens 10-15% zulegen. Die grossen Investoren haben schon lange kein Vertrauen mehr in das Projekt Europa, je weniger Europa, desto mehr wird in Europa investiert. Europa ist eine unreformierbare Ansammlung von ideologisch geprägtem Gedankengut geworden. Glauben sie im Ernst das die Multinationals in Frankreich und Europa nicht für einen solchen Fall vorgesorgt haben? Game Over, Insert Coins.

  • Markus Volek sagt:

    Das selber wie bei Trump die Aktien werden steigen ich hoffe das Le Pen Gewinnt wird sie aber leider nicht.Wenn Wahlen was ändern würden wären sie schon Verboten.

  • Jacques Bonhomme sagt:

    Die Wahrscheinlichkeit, dass Marine Le Pen Präsidentin von F wird, ist verschwindend klein. Sie wird es ev. in die Stichwahl schaffen, wie ihr Vater auch schon. 2002: Chirac: 82.21% / Le Pen: 17.79%. (Es liegen also so bis 25% drin, Marine ist etwas moderater). Das Problem mit dem EUR aber bleibt.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.