Das Testament schützt vor Erbstreitigkeiten

Das Testament muss handschriftlich verfasst und mit Datum und Unterschrift versehen sein. Es lohnt sich, einen Anwalt beizuziehen. Foto: PD

Das Testament muss handschriftlich verfasst und mit Datum und Unterschrift versehen sein. Es lohnt sich, einen Anwalt beizuziehen. Foto: PD

Mein Bruder ist schwer krank. Er ist 83, verheiratet, aber sie haben keine Nachkommen. Er hat noch vier Geschwister. Wie sieht die Erbverteilung aus? Wenn auch seine Ehefrau sterben würde, kann sie das Erbe ihrem Patenkind vermachen oder wird das Erbe dann an die Geschwister verteilt? F. P.

Gemäss Erbrecht müssen zunächst einmal die Pflichtteile berücksichtigt werden. Pflichtteilsgeschützt sind laut Gesetz die Ehegatten oder eingetragenen Partner sowie die Nachkommen und Eltern. Gemäss Ihrem Schreiben hat Ihr Bruder aber keine Nachkommen und auch seine Eltern leben nicht mehr. Somit wäre in diesem Fall nur die Ehefrau pflichtteilsgeschützt. Sie hat Anspruch auf die Hälfte des gesetzlichen Erbanspruchs.

Den über den Pflichtteil hinausgehenden Rest könnte Ihr Bruder frei über ein Testament verteilen. Keinen Pflichtteilsschutz geniessen hingegen Geschwister. Wenn Ihr Bruder seinen Geschwistern etwas hinterlassen möchte, kann er das im Rahmen der frei verfügbaren Quote testamentarisch festlegen. Wenn nach Ihrem Bruder auch dessen Frau sterben sollte und sie auch weder Nachkommen noch Eltern hat, würde das Erbe unter den nächsten Verwandten verteilt. Allerdings ist in diesem Fall niemand pflichtteilsgeschützt. Somit könnte die Ehefrau nach dem Tod ihres Gatten durchaus ihr Patenkind als Haupterbin einsetzen.

Damit später keine Streitigkeiten entstehen, rate ich Ihrem Bruder und seiner Frau, ihren Willen in einem Testament zum Ausdruck zu bringen. Dieses muss handschriftlich verfasst und mit Datum und Unterschrift versehen sein. Noch sicherer ist es, wenn Ihr Bruder das Testament von einem Notar prüfen lässt und es allenfalls bei ihm hinterlegt. So ist sichergestellt, dass keine allfälligen Pflichtteile verletzt werden und das Erbe nach dem Tod Ihres Bruders wirklich gemäss seinem Wunsch verteilt werden kann.

Meines Erachtens lohnt es sich, im Rahmen der Nachlassplanung die Hilfe von Notaren oder von Nachlassexperten von Banken oder Versicherungen in Anspruch zu nehmen, da durch eine frühzeitige Nachlassregelung spätere belastende Erbstreitigkeiten eher verhindert werden können.

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