Der Traum vom schnellen Geld mit Zocken

Binäre Optionen: Anlageformen, die an Glücksspiel grenzen. Foto: Getty

Binäre Optionen: Anlageformen, die an Glücksspiel grenzen. Foto: Getty

Binäre Optionen werden immer beliebter. Ich habe bereits meine ersten Trades getan – allerdings mit eher mehr Verlust. Meine Frage: Kann man da wirklich seriös Geld machen? T.P.

Ich bin da sehr skeptisch und würde persönlich sicher nicht investieren. Meines Erachtens grenzt diese Anlageform an Glücksspiel. Oder man kann es als Finanzwette beschreiben. Denn mit binären Optionen wettet man faktisch immer auf alles oder nichts. Man kann zum Beispiel darauf wetten, dass der Dollar an einem bestimmten Tag zum Franken auf über 1.01 steigt. Oder der Euro unter 1.07 fällt. Oder der SMI während einer kurzen definierten Zeitspanne über eine bestimmte Punktzahl steigt oder unter eine Marke fällt. Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt.

Typisch für die Art dieser Finanzwetten ist ihre extrem schwere Berechenbarkeit. Darum erinnert es mich an Glücksspiele. Oft wird die Hoffnung geweckt, dass man mit solchen Produkten innert kurzer Zeit sehr reich werden kann. Bei solchen Hinweisen sollte man sehr vorsichtig sein. Zu oft geht es bei angeblich geheimnisvollen Methoden zum Reichwerden nur darum, die Kasse des Brokers zu füllen. Wie bei einer Wette kann man mit binären Optionen leicht alles verlieren. Eben: alles oder nichts.

Dazu kommt, dass sich unzählige unbekannte Anbieter in diesem Geschäft tummeln. Doch die Gegenpartei kann Ihnen nicht egal sein. Denn sie ist einerseits Garantin dafür, dass das Geschäft wirklich seriös abgewickelt wird und Sie Ihren allfälligen Gewinn tatsächlich bekommen. Wenn Sie im Internet etwas recherchieren, treffen Sie auch auf Anleger, die von unseriösen Firmen mit dem Versprechen auf angeblich riesige Gewinne über den Tisch gezogen wurden. Einzelne Anbieter missbrauchten auch die Namen von Prominenten in ihrer Werbung, ohne dass diese etwas wussten und ohne realen Bezug.

Ich würde vor einem möglichen Geschäft genau abklären, was der Hintergrund der Firma ist, die Ihnen solche Produkte anbietet. Wo hat sie genau ihren Sitz? Welches sind ihre Organe? Und vor allem: Wird Sie von einer Aufsichtsbehörde in der Schweiz oder in Europa überwacht? Ohne Überwachung durch eine staatliche Finanzaufsicht wie der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht laufen Sie Gefahr, dass Sie einem unseriösen Anbieter auf den Leim kriechen.

Für mich gibt es einen einfachen Grundsatz: Auch beim Anlegen gibt es nichts gratis. Oder anders ausgedrückt: Wenn man Ihnen verspricht, dass Sie mit einfachen Methoden und wenig Einsatz traumhafte Renditen erzielen können, ist meist etwas faul. Meine Empfehlung: Legen Sie Ihr Geld breit diversifiziert langfristig in verschiedene Anlagegruppen bei einem Anbieter an, der einer Finanzmarktaufsicht untersteht, gehen Sie nur von realistischen Renditevorstellungen aus und verzichten Sie auf Spekulationen mit dem Ziel, innert kürzester Zeit viel Geld zu verdienen. Das geht meist schief. Wenn Sie wirklich nach dem Prinzip alles oder nichts zocken wollen, können Sie ebenso gut direkt ins Spielcasino gehen.

Der brutale Absturz vom Börsenstar zur verschmähten Aktie

Ich habe noch vor dem Crash Leonteq-Aktien zu 51 Franken gekauft. Nun notiert sie um die 35 Franken. Denken Sie, dass sich diese Aktie wieder erholt, oder muss ich mich nach dem Motto Ende mit Schrecken oder Schrecken ohne Ende von diesem Titel schnellstens verabschieden? R.M.

Leonteq ist ein typisches Beispiel, wie aus einem Börsenstar ein verschmähter Titel werden kann. Noch weit schlimmer ist es Meyer Burger gegangen, der lange ein Highflyer war, dann aber brutal abstürzte. Auch Leonteq erreichte noch 2015 einen Höchstkurs von über 230 Franken und wurde damals von vielen empfohlen. Meines Erachtens waren in diesem Kurs unrealistische Erwartungen enthalten. Nun wurde auch Leonteq von der Realität eingeholt. Deutlich tiefere Umsätze im zweiten Semester 2016 sowie beträchtliche Einmalkosten haben das Management gezwungen, eine Gewinnwarnung herauszugeben. Zwischen den stark steigenden Kosten und den Erträgen hat sich bei Leonteq eine Schere geöffnet. Vor allem der Aufwand für Personal und Büromieten hat deutlich zugenommen. Immerhin hat Leonteq die Bremse gezogen und Kosteneinsparungen im Umfang von 10 Millionen Franken sowie die Streichung von 50 Stellen angekündigt.

Ich zweifle aber, dass dies genügen wird. Vielmehr gehe ich davon aus, dass Leonteq noch mehr Jobs abbauen wird und die Kosten noch stärker drücken muss. Nach dem massiven Kurseinbruch und den schwierigeren Rahmenbedingungen an den Finanzmärkten muss sich das Unternehmen neu aufstellen. Denn auch im 2017 dürfte sich das Marktumfeld kaum schnell aufhellen. Die Umsätze dürften weiter unter Druck bleiben, da viele Investoren mit Neuengagements zurückhaltend sind. Zwar bringen die Kostensparmassnahmen eine Entlastung. Die Ertragslage dürfte aber angespannt bleiben. Deshalb rechne ich auch bei den Leonteq-Aktien nicht mit einer raschen Erholung.

Ich traue dem Unternehmen durchaus zu, sich wieder aufzufangen, zumal es über eine ausgezeichnete Expertise im Bereich des international weiter wachsenden Marktes mit strukturierten Produkten und komplexen Finanzlösungen verfügt. Das braucht aber einige Zeit. Sie müssen sich gut überlegen, ob Sie einen langen Atem haben und die Titel bis zu einer Erholung behalten möchten. Auch dürfen Sie nicht ausschliessen, dass der Titel noch mehr an Wert verliert. Sollten nämlich noch weitere negative Nachrichten von Leonteq kommen, würden die Papiere noch weiter tauchen.

Die Aktien behalten sollten Sie daher nur, wenn Sie auch dieses Risiko in Kauf nehmen können und viel Geduld haben, um auf eine spätere Erholung zu setzen.

Private Darlehen von Eltern an Kinder beinhalten auch Stolpersteine

Viele Finanzinstitute rechnen nur Erbvorbezüge oder Schenkungen als Eigenmittel für Wohneigentum an, nicht aber Darlehen. Wenn Darlehen überhaupt dafür infrage kommen, müssen Sie ausdrücklich im Darlehensvertrag als nicht rückzahlbar deklariert sein. Wie sehen Sie das? U.W.

Ich teile Ihre Meinung. Es ist tatsächlich so, dass viele Banken es zwar begrüssen, wenn man zusätzlich zu den eigenen Mitteln auch ein privates Darlehen von Eltern oder anderen Familienangehörigen aufnimmt, weil so die Tragbarkeit der Hypothek eher gegeben ist, insbesondere wenn das private Darlehen zinslos ist. Man kann aber nicht zwingend davon ausgehen, dass die Bank das private Darlehen – anders als eine Schenkung bzw. ein Erbvorbezug – als Eigenmittel einstuft. Denn es ist ein Kredit, den man in der Regel irgendwann zurückzahlen muss.

Oft gewähren Eltern ihren Kindern aber ein privates Darlehen mit der Idee, dass dieses später in einem Erbvorbezug umgewandelt werden kann oder später ohnehin an die Kinder vererbt wird. Wichtig ist in der Tat für die meisten Banken der Hinweis im Darlehensvertrag, dass das private Darlehen von Eltern oder Verwandten nicht rückzahlbar ist. Ansonsten besteht das Risiko, dass jemand einerseits eine Hypothek bei der Bank oder Versicherung hat, andererseits plötzlich gezwungen ist, das private Darlehen zu amortisieren. Dazu ist der Schuldner aber meist gar nicht in der Lage. Die Tragbarkeit der Hypothek würde dadurch infrage gestellt. Die Schuld könnte nur zurückbezahlt werden, wenn man entweder die Hypothek aufstockt, was oft gar nicht mehr möglich ist, oder aber im schlimmsten Fall die Liegenschaft verkauft würde. Doch wenn Liegenschaften aufgrund eines fälligen Kreditvertrages in den Verkauf kommen, kann in der Regel nur noch ein schlechterer Verkaufspreis gelöst werden.

Eine Möglichkeit in solch einer Situation könnte die Verpfändung eines Teils des Pensionskassenguthabens oder einer 3. Säule sein. Doch auch dies schafft neue Risiken für die spätere Altersvorsorge und ist nachteilig. Daher sollte man bei einem Darlehen im Familienkreis möglichst vereinbaren, dass der private Kredit nicht zurückgezahlt werden muss. Sowohl Kreditnehmer und Kreditgeber sollten allerdings bedenken, dass es auch unter den Familienmitgliedern zu Schwierigkeiten kommen kann: Etwa im Zuge einer Scheidung oder bei einem Streit zwischen Eltern und erwachsenen Kindern. In solchen Situationen sind private Darlehen keineswegs mehr ein Segen, sondern eine schwierige Hypothek für alle Parteien.

 

 

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