Finger weg von Deutsche Bank und Co.

Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Interner milliardenteurer Umbau statt statt Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Foto: Michael Probst/Keystone

Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Interner milliardenteurer Umbau statt Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Foto: Michael Probst/Keystone

Immer wieder lese ich in den Zeitungen und im Internet von den Schwierigkeiten bei Banken. Neustes Beispiel war die Deutsche Bank, die Milliarden an die Amerikaner zahlen muss. Auch Commerzbank und andere Banken in Europa haben Probleme. Ist das der Anfang der nächsten Finanzkrise? Ich fürchte mich davor. O. P.

Wenn man die Nachrichten aus dem europäischen Bankensektor etwas genauer verfolgt, kann man seinen Optimismus leicht verlieren: Laut den offiziellen Zahlen der Europäischen Zentralbank sitzen die Banken in der Eurozone auf faulen Krediten in der Höhe von schätzungsweise 900 Milliarden Euro. Allein bei den Banken in Italien haben sich die faulen Kredite auf 360 Milliarden Euro aufgetürmt.

Die EZB schätzt, dass bei den knapp 130 europäischen Grossbanken, die unter ihrer Aufsicht stehen, rund 7 Prozent der Kredite ausfallgefährdet sind. Weit höher ist das Ausfallrisiko in Italien, Portugal oder Griechenland. Würde die EZB die zahlreichen Institute mit den vielen Schulden nicht mit Samthandschuhen anfassen und ihnen grosszügig lange Fristen einräumen, damit sie ihre Kapitalbasis verbessern und die immensen Schulden sanieren können, wären etliche Banken längst in Schieflage geraten oder sogar zusammengebrochen.

Das, was die EZB den von ihr beaufsichtigten Banken nahelegt, nämlich bei den schlechten Schuldnern radikal aufzuräumen und zu restrukturieren, kann sie selbst nicht durchziehen: Würde sie es tun, käme es umgehend zur nächsten Bankenkrise in Europa. Viele Banken in der Eurozone verfügen nicht nur über eine schwache Kapitaldecke, sie sind auch wenig profitabel und weisen angesichts der Umwälzungen im internationalen Bankengeschäft zu hohe Kostenblöcke auf. Ihre Geschäftsmodelle sind alles andere als erfolgversprechend. Die Margen weiter rückläufig. Viele Banken haben kaum Lehren aus der letzten Finanzkrise gezogen und ihre Hausaufgaben nicht gemacht.

Ebenso, wie die Schuldenkrise in der EU bis heute nicht gelöst, sondern nur mit viel billigem Geld beruhigt wurde, ohne dass die nötigen Reformen umgesetzt wurden, haben sich viele Institute auch sieben Jahre nach der Krise nicht oder zu wenig restrukturiert. Eine weitere Konsolidierung in der europäischen Bankenbranche ist unumgänglich. Die Zahl der Banken wird weiter deutlich abnehmen. Was wir hier in der Schweiz in der Vergangenheit schon mit Fusionen und Übernahmen erlebt haben, steht den europäischen Banken erst noch richtig bevor. Nicht nur nationale Grossbankenzusammenschlüsse – auch solche über die Grenzen hinweg dürften deutlich zunehmen.

Schon fast symbolhaft für die schweren Probleme in Europas Bankensektor steht die einst stolze Deutsche Bank: Intern sind das Management und die Mitarbeitenden mit einem erneuten milliardenteuren Umbau beschäftigt, während alle Kräfte eigentlich dafür benötigt würden, innovative Geschäftsmodelle für die Zukunft zu entwickeln. Statt Neuland zu erschliessen, müssen enorme Altlasten bewältigt werden. Offensichtlich wird das bei den Rechtsstreiten, welche hohe Risiken beinhalten, wie die Milliardenforderungen der US-Justiz in der Affäre um faule Hypotheken zeigen.

Dass die Aktie der Deutschen Bank zeitweise unter 10 Euro sank und über eine nötige Staatsunterstützung spekuliert wurde, ist für das Kundenvertrauen eine Katastrophe. Wenn sich Sparer und Anleger fragen, wie sicher ihr Geld bei einer Bank noch ist, sinkt deren Glaubwürdigkeit auf einen Tiefpunkt. Auch deshalb ist es meines Erachtens nur noch eine Frage der Zeit, bis die Deutsche Bank mit einem grossen europäischen Partner fusionieren wird. Ob damit die enormen Probleme aber gelöst sind, bezweifle ich.

Wenig Grund zum Aufatmen liefert selbst die Tatsache, dass etwa die Ratingagentur Moody’s die Lage des deutschen Bankensystems trotz der Sorgen um die Deutsche Bank und der Folgen der historischen Niedrigzinsen gelassen beurteilt und ihren stabilen Ausblick für die deutsche Bankenbranche kürzlich bestätigt hat. Zwar stehen die deutschen Banken tatsächlich besser da als viele europäische Konkurrenten. Sollte es bei den italienischen Banken und vielen anderen angeschlagenen Instituten Europas zu vermehrten Zusammenbrüchen kommen, müsste sich erst noch beweisen, wie robust auch die deutschen Banken noch sind. Ihre Ängste vor einer neuen Bankenkrise in Europa halte ich für berechtigt. Daher rate ich risikobewussten Investoren schon seit langem: Finger weg von Bankenaktien.

Worauf man in der Vorsorge achten muss, wenn man nicht erwerbstätig ist

Gibt es die Möglichkeit, neben der Säule 3a zusätzlich noch Geld in die PK-Vorsorge einzuschiessen – auch wenn ich nicht berufstätig bin? Und falls ja, was ist der minimale Betrag? M. F.

Wenn Sie nicht erwerbstätig sind, dürfen Sie nicht in die steuerbegünstigte Säule 3a einzahlen. Berechtigt zu solchen Einzahlungen mit erlaubtem Steuerabzug sind nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Selbstständigerwerbende oder Arbeitslose, solange diese Arbeitslosengeld beziehen können. Voraussetzung ist letztlich ein AHV-pflichtiges Einkommen.

Personen ohne ein Erwerbseinkommen, wie dies bei Ihnen der Fall ist, können keine dritte Säule äufnen. Auch in die zweite Säule, also in Ihre Pensionskasse, können Sie nur einzahlen, wenn Sie erwerbstätig sind. Auch freiwillige Einzahlungen sind an eine Erwerbstätigkeit gebunden. Durch eine vorübergehende Pause in der Erwerbstätigkeit wächst Ihr Vorsorgekapital in der zweiten Säule weniger an, als wenn Sie über all die Jahre immer voll erwerbstätig wären. Faktisch haben Sie so Lücken.

Falls Sie später wieder eine Erwerbstätigkeit aufnehmen, haben Sie die Möglichkeit, diese Lücken mit einer freiwilligen Einzahlung wieder zu kompensieren. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass Sie solche freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse von den Steuern abziehen dürfen. Wenn Sie Ihre Vorsorge auch in der Zeit ohne Erwerbstätigkeit stärken möchten und dazu in der Lage sind, können Sie dies auf freiwilliger Basis tun, etwa über Fondssparen oder private Versicherungen. Ein Steuerabzug ist dafür aber nicht erlaubt.

Wie können Kleinunternehmer Risiken begrenzen?

Als Inhaber einer Arztpraxis überlege ich mir die Gründung einer AG. Was halten Sie von einer solchen Aktiengesellschaft? P. M.

Der Vorteil einer Aktiengesellschaft liegt hauptsächlich in der beschränkten Haftung. Anders als bei der Einzelfirma würden Sie nicht mehr privat mit Ihrem vollen Vermögen für die Firmenbelange haften, wenn in Ihrer Praxis etwas schiefgeht und daraus hohe Kosten entstehen würden. Bei der Aktiengesellschaft haftet lediglich das in die AG eingebrachte Vermögen der Gesellschafter. Bei einem Konkurs würden Sie als Aktionär und die weiteren Aktionäre ihr in die Firma einbezahltes Kapital verlieren. Aber nicht mehr. Sie würden im schlimmsten Fall das Aktienkapital preisgeben müssen.

Neben der beschränkten Haftung hat eine Aktiengesellschaft den Vorteil, dass Sie die betrieblich anfallenden Kosten wie Löhne, Mieten, administrativer Aufwand usw. voll der Firma belasten können. Sie können so allenfalls steuerlich besser fahren. Gleichzeitig müssen Sie sich aber bewusst sein, dass Sie mit einer AG und übrigens auch mit einer GmbH einer Doppelbesteuerung ausgesetzt sind. Ihre Firma würde separat von Ihnen besteuert. Das bedeutet aber auch, dass Sie einerseits einen allfälligen Gewinn in der Firma versteuern müssen und anderseits privat eine Dividende, die Sie sich auszahlen lassen, persönlich als Einkommen versteuern müssen. Zusätzlich wird auf dem Aktienkapital der Firma eine Kapitalsteuer erhoben.

Ferner sind Ihre Anteile an der Aktiengesellschaft in Ihrem Privatvermögen steuerpflichtig. Diese Doppelbesteuerung finde ich einen erheblichen Nachteil. Auf welche Weise Sie unter dem Strich steuerlich dennoch besser fahren, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen. Ich rate Ihnen, die Fragestellung mit einem Treuhänder oder mit Steuerspezialisten Ihrer Hausbank zu erörtern. Dabei gilt es auch im Detail zu prüfen, ob in Ihrem Fall eine Aktiengesellschaft, welche zwingend ein Kapital von mindestens 100’000 Franken erfordert, oder eine GmbH, bei der nur mindestens 20’000 Franken erforderlich sind, sinnvoller ist.