Traum vom Eigenheim: Die Krux mit dem Alter

Eigenheim-Finanzierung: Lassen Sie sich nicht von tiefen Zinsen blenden. Foto: Keystone

Eigenheimfinanzierung: Lassen Sie sich nicht von tiefen Zinsen blenden. Foto: Keystone

Ich hatte ein Gespräch mit meiner Bank, um in Erfahrung zu bringen, ob für mich Wohneigentum realisierbar wäre. Ich habe eine negative Antwort erhalten, weil die Tragbarkeit im Alter nicht gewährleistet sei. Dies, obwohl ich eine Landparzelle aus einer Erbschaft schon habe sowie 120’000 Franken Ersparnis und eine 3. Säule mit nochmals 80’000 Franken. Gibt es doch eine Finanzierungsmöglichkeit? M.V.

Wie ich Ihren Angaben entnehme, sind Sie alleinstehend und haben also keine weiteren Verpflichtungen für einen Ehepartner oder Kinder und sind selbst berufstätig. Um die Tragbarkeit für die Finanzierung Ihres Immobilienprojektes abzuschätzen, stellen sich in erster Linie die Fragen: Erstens: Wie hoch ist Ihr derzeitiges Erwerbseinkommen? Zweitens: Wie hoch wären die erwarteten Kosten für das Bauprojekt? Und drittens: Wie präsentiert sich Ihre Altersvorsorge?

Ich könnte mir vorstellen, dass Sie die Zinsen für das geplante Projekt, welches Sie offenbar kostensparend planen, durchaus tragen können. Derzeit sind die Zinsen für Hypotheken sehr tief. Wie Sie erwähnen, bezahlen Sie momentan für Ihre Wohnung 1500 Franken Miete. Theoretisch würden Sie für eine Hypothek von beispielsweise 500’000 Franken weit weniger bezahlen. Bei einem angenommenen Zins von 1 Prozent würden nur jährliche Zinskosten von 5000 Franken, also etwas mehr als 400 Franken pro Monat, fällig. Das Problem ist aber, dass die Banken zu Recht davon ausgehen, dass die Zinsen irgendwann wieder steigen und daher für die Tragbarkeit einer Hypothek von 5 Prozent Zins ausgehen. Dann würde Sie die Hypothek 25’000 Franken, also über 2000 Franken pro Monat, kosten.

Noch wichtiger ist die Frage nach der Altersvorsorge: Sie müssen prüfen, mit welchen Einnahmen Sie im Alter sicher rechnen können. Dabei stellt sich die Frage, wie hoch einerseits Ihre erwartete AHV-Rente und anderseits Ihre Rente aus der Pensionskasse ausfallen werden. Konkrete Angaben dazu erhalten Sie von Ihrer AHV-Ausgleichskasse und Ihrer Pensionskasse. Je nach Höhe der Projekt- und Finanzierungskosten ist allenfalls mit der AHV und der PK-Rente das Bauprojekt im Alter nach Ihrer Pensionierung nicht mehr genügend finanzierbar. Denn auch da dürfen Sie nicht von den derzeit extrem tiefen Zinsen ausgehen, sondern müssen mit einem Satz von mindestens 5 Prozent kalkulieren.

Positiv in Ihrem Fall ist aber, dass Sie mit Ihrem Ersparten und der 3. Säule das nötige Eigenkapital wahrscheinlich einbringen könnten. Ob für Sie trotz dem negativen Bescheid Ihrer Hausbank eine Finanzierung möglich ist, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen, zumal ich weder Ihr Einkommen noch Ihre Projektkosten kenne.

Ich rate Ihnen, zusätzlich von zwei anderen Banken sowie einer Versicherung und von der Pensionskasse Ihres Arbeitgebers ebenfalls eine mögliche Finanzierungsofferte für Ihr Wohneigentumsprojekt einzuholen. Anhand der konkreten Zahlen werden Ihnen diese Stellen klar aufzeigen können, ob für Sie eine Finanzierung tragbar ist oder nicht.

Warum Anleger die US-Präsidentschaftswahl rasch abhaken

Verfüge aus der Zeit, wo man dem Dollar noch Steigerungspotenzial zugetraut hat, über ein Devisenkonto. Eigentlich würde ich gerne in eine andere Dollar-Anlageform mit besseren Aussichten wechseln. Sehen Sie da eine Tendenz nach dem 8. November? K.Z.

Ich stufe die Wahrscheinlichkeit als hoch ein, dass sich die Märkte nach der US-Präsidentenwahl am 8. November beruhigen. Die Wallstreet rechnet mit einer Wahl von Hillary Clinton. Sollte sich dies bewahrheiten, wird die Politik für die Börsen und die Devisenmärkte rasch wieder in den Hintergrund treten.

Weit wichtiger als die US-Präsidentschaft ist die künftige Geldpolitik der US-Notenbank. Da erwarte ich, dass die Federal Reserve an ihrer Sitzung am 14. Dezember die Zinsen zum zweiten Mal seit der Finanzkrise leicht anheben wird. Die Chance ist gross, dass der US-Leitzins dann um 25 Basispunkte steigt. Damit bleiben die Zinsen in den USA weiter tief, die Unsicherheit in Hinblick auf die anziehenden Zinsen, welche die Märkte in diesem Jahr in Banne hielt, ist dann für einige Zeit aus der Welt geschafft. Es herrscht dann endlich Klarheit. Dies würde sowohl den Dollar als auch die US-Aktien stützen. Vorausgesetzt dass die Märkte nicht durch andere neue Unsicherheiten, etwa geopolitische Spannungen, durcheinandergebracht werden, könnte die Wallstreet dann nochmals etwas zulegen, obwohl sie schon hoch bewertet ist. Beim Dollar dürfte die psychologisch wichtige Marke von über einem Franken, also die Parität, geknackt werden.

Viel Aufwärtspotenzial sehe ich beim Dollar nach dem letzten Anstieg aber nicht mehr. Wie stark sich der Dollar noch nach oben bewegt, wird neben der US-Notenbank auch von der Europäischen Zentralbank beeinflusst: Diese wird ebenfalls an ihrem Dezember-Treffen bekannt geben, ob sie ihr milliardenschweres Wertpapieraufkaufprogramm über den März 2017 hinaus verlängern wird. Da ich davon ausgehe, dass die Europäische Zentralbank an ihrer Politik des ultrabilligen Geldes festhält, spricht dies gegen eine Abschwächung des US-Dollar.

Die höchsten Renditechancen bieten auch im Dollar Aktien. Diese sind zwar nicht mehr billig. Im Vergleich mit US-Anleihen verfügen sie aber über weit höhere Ertragsmöglichkeiten. Eine kostengünstige Form, um in US-Aktien zu investieren, bieten Exchange Traded Funds auf den Dow-Jones- oder den S&P-500-Index. Eine Alternative sind auch Indexfonds auf einen Weltaktienindex in US-Dollars.

Ob dies für Sie infrage kommt, hängt allerdings von Ihrer persönlichen Risikofähigkeit und Ihrem Anlagehorizont ab. Denn Aktien und Indexfonds weisen ein deutlich höheres Schwankungsrisiko auf. Sie müssen selbst beurteilen, ob Sie diese Schwankungen in Kauf nehmen möchten und können.

Gebühren fressen die Rendite weg

Von meiner Bank wurde mir ein Vermögensverwaltungsvertrag für 100’000 Franken mit einem Anlagehorizont von fünf Jahren empfohlen. Jährliche Gebühr: 1,3% des Depotwerts. Meine Überlegung geht nun dahin, dass bei den heutigen Anlagemöglichkeiten die Kosten höher sind als der Ertrag und zudem keine Garantie für den Kapitalerhalt besteht. Was meinen Sie? D.K.

Ich teile Ihre Befürchtung. Damit für Sie die Rechnung aufgeht, müssten Sie deutlich mehr als die 1,3 Prozent auf dem Kapital erwirtschaften, da für die Verwaltung der 100’000 Franken bereits 1300 Franken an Gebühren pro Jahr anfallen. Und zwar egal, ob Sie einen positiven Ertrag erreichen oder nicht. Es stimmt, dass Sie von Ihrer Bank keine Erfolgsgarantie bekommen. Sie zahlen die Gebühr auch, wenn Sie eine negative Rendite tragen müssen. Sie tragen das volle Risiko, zahlen aber trotzdem die Gebühr.

Aufgehen würde für Sie die Rechnung meines Erachtens nur, wenn Sie mindestens zwei, drei oder vier Prozent oder mehr Rendite erreichen. Mit sehr konservativen Anlagen ist dies derzeit aber nicht möglich. Die Rendite der sehr sicheren eidgenössischen Bundesobligationen notiert momentan sogar im Minus. Andere sehr sichere Frankenanleihen werfen null Prozent oder nur einen mickrigen Zins ab. Es würde mit konservativen Anlagen also schon einiges brauchen, dass Sie nur schon die Gebühren herausholen.

Theoretisch wäre dies mit Aktienanlagen möglich – etwa mit Dividendenperlen. Sie können beispielsweise Aktien von Nestlé, Roche, Novartis, Zürich und Swiss Re halten, welche sich durch eine schöne Dividende auszeichnen. Doch dann gehen Sie ein beträchtliches Schwankungsrisiko ein. Zudem ist auch die Dividende nicht garantiert. Auch mit einem Vermögensverwaltungsmandat, welches stärker auf Aktien setzt, wäre eine höhere Rendite möglich. Allerdings müssen Sie sich fragen, ob Sie wirklich mit allfälligen Buchverlusten, die ich in nächster Zeit angesichts der grossen Unsicherheiten an den Finanzmärkten für wahrscheinlich halte, noch gut schlafen könnten.

Persönlich würde ich mit dem Altersgeld mit steigendem Alter nicht erhöhte Risiken eingehen. Sie schreiben mir, dass Sie 80-jährig, gesund sind und eine Hypothek halten. Da würde ich das Geld nur konservativ investieren. Entweder könnten Sie die Hypothek etwas senken und sich so Hypozinsen sparen, oder aber Sie parkieren den Betrag auf einem sicheren Konto, welches wenigstens noch ein bisschen Zins gibt. Damit werden Sie zwar auch nicht reich, Sie sparen sich aber wenigstens die Gebühren, profitieren von einer hohen Kapitalsicherheit – und können auch in turbulenten Zeiten an den Finanzmärkten noch gut schlafen.