Verhaltene Aussichten für Bella Italia

Einkaufsstrasse Via del Corso in Rom: Die Stimmung bei den Konsumenten hat sich im August weiter abgeschwächt. Foto: AFP

Einkaufsstrasse Via del Corso in Rom: Die Stimmung bei den Konsumenten hat sich im August weiter abgeschwächt. Foto: AFP

Meine Eltern kommen aus Italien, und ich möchte einen Teil meines Ersparten vermehrt im Land meiner Vorfahren anlegen. Unsicher bin ich über die Aussichten für die italienischen Unternehmen. Erwarten Sie eine baldige Erholung der Wirtschaft in Italien? L. P.

Nein. Ich sehe nicht, wo ein Aufschwung in Italien herkommen sollte. Im Gegenteil: Die Stimmung unter den italienischen Konsumenten und Firmen hat sich im August erneut abgeschwächt. Das Geschäftsklima im verarbeitenden Sektor nahm von revidiert 102,9 auf 101,1 Punkte ab. Dies ist der schlechteste Wert seit gut eineinhalb Jahren. Verhalten ist die Stimmungslage ebenso im wichtigen Dienstleistungssektor, aber auch im Detailhandel und dem Bausektor. Kein Wunder, bildete sich der Stimmungsindex für die gesamte italienische Wirtschaft von 103,0 auf 99,4 Punkte zurück. Ein Wert unter 100 Zählern ist ein Alarmzeichen. Die geringe Zuversicht der Konsumenten und Unternehmer signalisiert, dass sich die Wirtschaft in unserem Nachbarland abschwächen könnte.

Verstärkt wird diese Unsicherheit durch die Berge von faulen Krediten, auf denen die italienischen Banken sitzen. Wenn diese Kreditbombe hochgeht, hat dies für die Banken verheerende Folgen und belastet auch den Rest der Wirtschaft. Dessen sind sich die Konsumenten sehr wohl bewusst. Bereits im Juli, noch vor den grossen Ferien, ging auch das Vertrauen der italienischen Konsumenten zurück. Auch die Aussichten beurteilen die Konsumenten in Italien weniger zuversichtlich. Die Erdbebenkatastrophe im August dürfte das Konsumentenvertrauen zusätzlich geschwächt haben, da damit ein weiterer Unsicherheitsfaktor für Italien wieder stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt ist.

Einen Wachstumsschub würde ich in den nächsten Monaten von Italien nicht erwarten. Realistischer stufe ich im zweiten Halbjahr eine – hoffentlich nur temporäre – Abschwächung für Italien ein.

Überschaubare Risiken

Ich bin Rentnerin und halte Anteile des Swisscanto (CH) Fonds Frankenertrag. Was ist von diesem noch zu erwarten? M. D.

Von diesem Fonds dürfen Sie auch künftig nur eine sehr geringe Rendite erwarten. Dafür bietet er eine recht hohe Kapitalsicherheit. Allerdings hat er Anfang Jahr ebenfalls unter den massiven Marktturbulenzen gelitten – ebenso unter den Brexit-Wirren. Dennoch stufe ich den Fonds als recht sicher ein. Denn das Geld wird bei diesem Finanzvehikel fast ausschliesslich in Obligationen investiert. 88 Prozent davon entfallen auf Anlagen in Schweizer Franken, je vier Prozent auf Euro und Dollar und weniger als zwei Prozent auf das britische Pfund, welches wegen der Brexit-Unsicherheiten deutlich an Wert eingebüsst hat. Da der Fonds breit diversifiziert ist, hält sich der Rückschlag deswegen in Grenzen.

Gesamthaft verfolgt der Fonds eine konservative Strategie. Das durchschnittliche Schuldnerrating liegt bei einem guten AA-Rating. Rund 86 Prozent der im Fonds enthaltenen Schuldner verfügen zumindest über ein A-Rating. Nur 11 Prozent über ein BBB-Rating. Die Kapitalsicherheit ist somit recht hoch. Die Ausschüttung des Fonds ist zwar nicht gerade berauschend. Immerhin verdienen Sie mit dem Fonds aber noch Geld, was längst nicht mehr bei allen sicheren Anleihen der Fall ist. Auch die belasteten Gebühren sind mit einer Total Expense Ratio (TER) von 0,74 Prozent in Ordnung.

Ein grosses Kurswachstum und eine hohe Rendite dürfen Sie von diesem Fonds nicht erwarten. Dafür aber bietet er eine Möglichkeit, Ihr Geld mit relativ geringen Risiken durch die aktuell turbulenten Zeiten zu navigieren. Das Crashrisiko halte ich bei diesem Fonds für gering.

Auf Wunsch muss ein Teil des PK-Kapitals ausbezahlt werden

Ich bin 57 und mache mir Gedanken wegen der Pensionierung. Dabei überlege ich mir, ob ich die Rente oder das Kapital beziehen soll. Kann mir meine Kasse verbieten, das Kapital zu beziehen? X. B.

Die genauen Regeln für den Kapitalbezug werden im Reglement Ihrer Kasse definiert. Gesetzlich ist lediglich vorgegeben, dass die Kassen den Versicherten, sofern diese es wünschen, wenigstens ein Viertel ihres PK-Guthabens als Kapital auszahlen müssen. Je nach Kasse kann dies auch deutlich mehr sein. Viele Kassen bieten auch die Möglichkeit, das gesamte Kapital zu beziehen. Gerade in Zeiten mit steigender Lebenserwartung und tiefen Zinsen ist es für die Kassen von Vorteil, wenn Versicherte ihr Kapital beziehen. Denn indem Sie das Kapital beziehen, wird die Kasse vom Langlebigkeitsrisiko entlastet. Dieses tragen dann voll Sie.

Von Pensionskassenmanagern höre ich allerdings, dass von den Versicherten derzeit wieder vermehrt die Rente gewählt wird. Der Grund: Auch für diejenigen, die das Kapital in Anspruch nehmen, ist es ebenso schwierig wie für die Pensionskassen wegen des tiefen Zinsniveaus auf dem Geld eine einigermassen vernünftige Rendite zu erwirtschaften, ohne dass man zu hohe Risiken eingeht. Ihre Kasse kann Ihnen nicht verbieten, das Kapital zu beziehen. Zumindest einen Teil muss sie Ihnen auszahlen. Wie hoch der Anteil ist, sollten Sie direkt bei Ihrer Kasse nachfragen. Möglich ist auch eine Kombination von Kapitalbezug und Rente.

Allerdings rate ich Ihnen, sich frühzeitig über die Vor- und Nachteile von Kapital- oder Rentenbezug im Detail zu informieren und beraten zu lassen. Welche Variante besser ist, lässt sich nicht generell sagen, sondern hängt stark von Ihren individuellen Lebens- und finanziellen Umständen ab. Ich empfehle Ihnen, zusätzlich zu Ihrer Kasse auch von Ihrer Bank oder Versicherung eine Beratung in Anspruch zu nehmen und eine detaillierte Vorsorgeplanung erstellen zu lassen. Der damit verbundene Aufwand lohnt sich auf jeden Fall.

2 Kommentare zu «Verhaltene Aussichten für Bella Italia»

  • beat ammann sagt:

    Der Kommentar zu Italien finde ich nur beschränkt hilfreich. Wer in Italien anlegt hat einen anderen Zeithorizont als nur 6 Monate. Vorteile liegen zur Zeit auf der Hand: Eurokurs, historisch tiefe Immobilienpreise…Nachteile wie immer schon gehabt: bürokratischer Aufwand, je nach dem Steuern, unsichere Rechtslage angesichts des dysfunktionalen Justizsystems (sie können nur hoffen ihr Mieter bezahlt) und andere Unwegbarkeiten….

  • Patrik sagt:

    zum Thema FOND FRANKENERTRAG:
    Ich frage mich, ob es aus SICHERHEITSÜBERLEGUNGEN tatsächlich noch einen
    Grund gibt, in einen Geldmarktfonds zu investieren. Grundsätzlich ist es möglich, dass man damit in das Asset investiert, das nach Anleihen das grösste Risiko hat. Die Währungen stehen (als Vermögen gesehen) eher vor dem Zusammenbruch denn vor Wertsteigerungen. Ich rechne heute mit juristischen Problemen – mittlerweile haben wir von der Konfiszierung von Geld auf Bankkonten und Schliessung von Geldmarktfonds (USA: man beachte die „merkwürdigen Regularien“) und jahrelangen Schliessungen von Immo-Fonds alles erlebt. Ob ein solcher Fonds sicher ist, wird erst die akute Krise zeigen. Ich persönlich würde das Geld abziehen: Ich würde heute physische Edelmetalle vorziehen.

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