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Von wegen Ausstieg aus der Atomenergie

Von DB, 3. August 2014 25 Kommentare »
Zu Jahresbeginn waren weltweit 72 Kernkraftwerke im Bau - 176 sind projektiert. Nur zwei Länder diskutieren ernsthaft den Ausstieg aus der Atomenergie.
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Von Peter Morf, «Finanz und Wirtschaft»

Gut drei Jahre nach der Katastrophe von Fukushima diskutieren weltweit zwei Länder ernsthaft den Ausstieg aus der Kernkraft: die Schweiz und Deutschland.

Deutschland hat schon gehandelt und acht Reaktoren vom Netz genommen – dafür ist der CO2-Ausstoss gestiegen, denn es wird wieder mehr Kohlestrom erzeugt. Japan hatte den Ausstieg zwar auch beschlossen, ist in der Zwischenzeit aber daraus ausgestiegen. Die bestehenden Kraftwerke werden auf ihre Sicherheit überprüft und zum Teil wieder hochgefahren.

Abgesehen von diesen Ländern stehen die Zeichen auf Expansion: Zum Jahresbeginn 2014 waren weltweit 72 Kernkraftwerke in Bau. Dabei nimmt China mit 29 Reaktoren die Führungsposition ein – Chinas Energiehunger scheint unstillbar. Auch Russland ist mit zehn in Bau befindlichen Werken eine treibende Kraft.

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Überdies sind weltweit 176 Kernkraftwerke projektiert: davon 58 in China, 29 in Russland und 22 in Indien. Insgesamt sind derzeit 437 Kernkraftwerke in Betrieb. Leader sind die USA mit 100 Reaktoren, vor Frankreich mit 58. Die Kernkraftwerke deckten im vergangenen Jahr global rund 12% des gesamten Strombedarfs, was rund 40 Prozent der CO2-armen Stromproduktion entsprach.

Diese Grafik erschien zuerst in der Printausgabe der «Finanz und Wirtschaft». Alle Grafiken der Rubrik «Was zählt» finden Sie hier.

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25 Kommentare zu “Von wegen Ausstieg aus der Atomenergie”

  1. Heidi Müller sagt:

    Die Zahlen und der Artikel sagen leider nichts darüber aus, seit wie lange die aufgezählten AKWs schon “im Bau” oder “in Planung” sind. Das AKW Oikoluto in Finnland ist so z.B. schon seit 2005 im Bau – wesentlich länger und fast dreimal teurer als geplant. Manche AKWs sind sogar schon seit den 1980er-Jahren in Planung/Bau.
    Der möglicherweise suggerierte Kernkraft-Boom ist somit ein oberflächlicher Sturm im Wasserglas.
    Wie das neuste AKW-Projekt in UK zeigt, wird Kernkraft von privaten Investoren nur verfolgt, wenn über 35 Jahre Einspeisevergütungen vom dreifachen Grosshandelspreis plus Teuerung winken – Selbstverständlich bürgt auch da der Staat für die unberechenbaren Risiken und Altlasten.

  2. Anreas Notter sagt:

    Jö… 1 von 10 kwh ging weltweit aufs Atomkonto… wenn man die Entsorgungskosten berücksichten würde wärens wohl 0 von 10. Am besten gleich ganz abschalten..

  3. Valdy sagt:

    Die Atomindustrie ist überholt und hat seit Anbeginn ihrer Existenz, keinerlei Lösungsansätze für ihr Müllproblem geliefert. Dies wird immer weiter in die kommenden Generationen verschoben

  4. In der EU sind heute 46 Kernkraftwerke weniger in Betrieb als 1988. Weltweit sind von den Investitionen seit 2000 rund 57% in erneuerbare Energien, 40% in fossile Energien und nur 3% in die Atomenergie geflossen! Der Uranpreis fällt und selbst China bezieht bereits mehr Energie aus der Photovoltaik als aus der Kernkraft!

  5. Guntram Rehsche sagt:

    Zur Statistik will nicht so ganz passen, was der World Nuclear Industry Status Report 2014 soeben festhielt: Der Anteil der Atomkraft an der globalen, kommerziellen Energieproduktion hat weiter abgenommen. Nur noch 4.4 % der Energie werden weltweit aus Atomkraft produziert, so wenig wie zuletzt 1984.

    • seebueb sagt:

      Das kann an der abnehmenden Produktion liegen oder am zunehmenden Verbrauch. Der Verbrauch ist in den letzten 25 Jahrn mit Sicherheit massiv angestiegen.

  6. PlainCitizen sagt:

    Ich will Atomstrom, aber mein Elektrizitätslieferant schafft es nicht, nur Atomstrom zu liefern. Es braucht wohl man eine Facebook-Aktion “Ich Will Atomstrom”

    • Heidi Müller sagt:

      Mein Tipp: Ziehen Sie doch in die Nachbarschaft eines schönen AKW. Dann klappt das auch mit der Versorgung mit Atomstrom. Und im Notfall fragen Sie bei der Reception des benachbarten AKWs, ob Sie Ihr Verlängerungskabel dort einstecken dürfen um den Saft ohne Übertragungsgebühren direkt frisch ab Quelle zu bekommen.
      Aber klagen Sie dann bitte nicht, wenn diese Quelle im Sommer für mehrere Wochen zwecks Revision versiegt;)
      Vielleicht helfen da Ferien in Frankreich…
      Wobei selbst Frankreich muss öfters im Sommer AKWs wegen Mangel an Kühlwasser herunterfahren und bezieht dann günstigeren Strom von Deutschen … Dächern.

      • Peter Meier sagt:

        Wahnsinn, was für ein unsachlichlicher Kommentar. Wie wenn das irgendwie ginge mit dem Kabel!
        Und während Solarstrom nur tagsüber und v.a. im Sommer funktioniert, können die CH-Kernkraftwerke den ganzen Winter 7×24 Vollast produzieren.
        Dazu gibt es immernoch keine funktionierenden alternatkven die hochskalierbar wären!

  7. Amadio Clute sagt:

    Ja, Deutschland und die Schweiz werden die Welt retten und wir werden kalte Füsse bekommen.

  8. Arnold Joeph sagt:

    Wenn ich an die Luftverschmutzung durch fossile Stoffe, Kohle und Erdöl und Erdgas denke, womit unter anderem auch die islamischen Terrorgruppen finanziert werden, so ist dies zu bejahen.

  9. gabi bossert sagt:

    Mit dem voraussichtlich zunehmenden rechts Ruck in der Schweiz, werden wir bestimmt zukünftig mithalten können.
    Für Rechts gibt es keinen Klimawandel, keine Ressourcenausbeute, weil AKW erst ab Anschluss als CO2 frei gelten, die Kostenwahrheit kein Problem darstellen wird zukünftig und AKW Gaus bei uns weit weg sind von realen Vorkommen. Wir sind sicher, wir kontrollieren wenn man Druck aufsetzt, es wird sicher ab 2015 Druck geben gegen jede Anti AKW Bewegung.
    Wir nehmen uns schon Das zum Vorbild, was wir bei Anderen als richtig und gut erachten. Ich denke, es kommen rabiate Zeiten auf uns zu. Nachwuchs JA, Verantwortung eher NEIN,

    • Teska sagt:

      Das ist ja eine interessante politis he Wendung: Kernenergie ja ist rechts, Kernenergie nein ist links! Bravo, treffender geht es nicht!

  10. Vogt Hans - Ulrich sagt:

    Weder BRD noch CH haben einen Ausstieg wirklich diskutiert. Es wurde in beiden Ländern in einer Fukushima-Hysterie auf Politikerinnenebene ein Ausstiegs – Schnellschuss beschlossen. In der Praxis hat sich in der BRD gezeigt, dass der Windredli- und Sünnelistrom um einiges teurer kommt als versprochen und weiter Kohlekraftwerke vorgehalten werden müssen. In unserem Land hat sich gezeigt, dass unser aller BR schlicht kein Konzept hat.

  11. Thomas Jobs sagt:

    Was der Artikel leider nicht wiederspiegelt ist die Tatsache, dass ca. 80% der geplanten AKW schon seit Jahrzehnten in Planung bzw. teilweide sogar in bau sind!
    Zum Glück haben sie CO2-Arm geschrieben und nicht CO2-Frei, was an solcher Stelle immer wieder behauptet wird.
    Was aber gänzlich fehlt ist die noch auf Jahre hinweg ungelöste Endlagerung, der Rückbau und die Wiederherstellung der benutzen Fläche!

    • seebueb sagt:

      Was vor allem fehlt, ist die Finanzierung der Endlagerung für die nächsten 100’000 Jahre und länger.

  12. Hofstetter sagt:

    Diesen Bericht sollte man Frau Leuthard jeden Morgen als Morgenlektüre vorlegen. Aber ich glaube. Sie wird Mühe haben, Ihre Ideologie zu ändern, schon auf Grund ihres Umfeldes.

  13. Peter Stutz sagt:

    Korrektur:
    In China waren 2013 Atomreaktoren mit 16 GW Leistung am Netz, Windkraftanlagen mit 18 GW und Photovoltaikanlagen mit 91 GW.

    • Bernd Seiler sagt:

      Es wurde schon oft erklärt: die Anschlussleistung (W) ist nicht gleich der produzierten Leistung (Wh). In Ihren Beispiel produzieren AKW’s mit 16 GW Anschlussleistung jährlich rund 125 TWh elektrischen Strom, während PV-Anlagen mit einer Anschlussleistung von 91 GW jährlich rund 90 TWh elektrischen Strom produzieren (also weniger als AKW’s). Wieso? AKW’s laufen rund 8000 Std. im Jahr auf Volllast, PV-Anlagen rund 1000 Std.
      Haben Sie den Unterschied verstanden?

  14. Marty Andreas sagt:

    Würden die Kosten für Stilllegung, Entsorgung, Haftpflicht, Forschung sowie die Kapitalkosten realistisch angesetzt, wäre Atomstrom viel zu teuer und unwirtschaftlich. Atomstrom wird also massiv staatlich gefördert, während die risikolose erneuerbare Energie schlecht geredet wird.

  15. Guntram Rehsche sagt:

    Und sie ist doch ein Auslaufmodell. Wobei zuerst einmal daran zu erinnern ist, dass weltweit von den insgesamt rund 200 Nationen nur deren 40 überhaupt bislang die Atomenergie nutzen. Alle anderen 160 sind gar nie eingestiegen. Sodann ist daran zu erinnern, dass in Japan alle 53 AKW derzeit stillstehen – und es kaum vorstellbar ist, dass auch nur ein grösserer Teil von diesen wieder ans Netz geht. Und schliesslich ist an all jene Länder zu erinnern, die sich in jüngerer Zeit mehr oder weniger von der Atomkraft distanziert haben – und das sind bei Weitem nicht nur Deutschland und die Schweiz. Unerklärlich, warum der Autor davon keine Kenntnis hat (oder haben will?). Z.B. hat Italien trotz der Pläne der Berlusconi-Regierung für den Bau von 4 neuen AKW schliesslich auf diesen verzichtet. Frankreich will mittelfristig rund einen Drittel seiner Werke ersatzlos stilllegen (das wären dann immerhin deren 25). Belgien steigt von 2015 bis 2025 aus und legt sieben Kraftwerke still. Bulgarien gibt Pläne zum Bau eines Atomkraftwerks an der Donau auf. Chile hat nach Fukushima darauf verzichtet, weitere AKW zu planen oder zu bauen – vor allem wegen der Gefahr regelmässiger Erdbeben und setzt nun vermehrt auf Erneuerbare Energien, auch auf grosse Solarkraftwerke. Indonesien legt Baupläne für erstes kommerzielles AKW auf Eis. Beispiele gibt es noch viele – wobei zu betonen ist, dass vor allem fehlende Wirtschaftlichkeit zu solchen Entscheiden führen, denn die Atomkraft ist vor allem wirtschaftlich nicht lebensfähig – und wird nur in autokratischen Staaten mit Gewalt und staatlicher finanzieller Unterstützung vorangetrieben. Die erwähnten 72 Neubauten sind übrigens teilweise Bauruinen, die bereits seit mehr als 20 Jahren unvollendet in der Landschaft stehen.

    • seebueb sagt:

      Die japanische Regierung hat vor kurzem als erstes das stillstehende AKW bei Sendai als “sicher” eingestuft, es soll in absehbarer Zeit wieder ans Netz.

  16. Hans Maag sagt:

    Das Ganze wird ändern, wenn Frau Leuthard ein anderes Departement übernimmt oder abgewählt wird. Leute, die immer nur vom Atomausstieg reden und nicht wissen, dass sichere Kernkraftwerke möglich sind, gehören nicht in ein Departement, das für die Zukunft unserer Industrie wichtig ist. Nachdem das Volk die Musikausbildung zur Bundessache gemacht hat, könnte man der Dame (geeigneter wäre allerdings Mme Sommaruga) diese Sparte zuteilen und Energie und Verkehr in ein anderes Departement verschieben.

  17. Peter Stutz sagt:

    Die wahren Zahlen stehen im World Nuclear Industry Report vom Juli 2014:
    Der Anteil der Atomstromproduktion fiel weltweit von 17,6% im 1996 auf 10,8% im 2013.
    Da kaum neue Reaktoren gebaut werden und die alten Reaktoren “lebensverlängernde Massnahmen” erhalten, steigt das Durchschnittsalter der Reaktoren ständig an, auf mittlerweile 28,5 Jahre. Die 153 stillgelegten Reaktoren hatten ein Durchschnittalter von 24 Jahren.
    200 Rekatoren sollen bis 2034 stillgelegt werden. Da nicht soviele gebaut werden können wird der Anteil des Atomstroms weiter deutlich sinken. Die durchschnittliche Bauzeit eines Reaktors lag zuletzt bei 10 Jahren.
    67 Reaktoren waren “in Bau”, davon 8 seit über 20 Jahren. Gut zwei Drittel der Reaktoren in Bau sind in Russland, Indien und China. In Europa und den USA würden neue AKW ihren Strom weit über dem Marktpreis produzieren. Die geplanten AKW in England sollen daher zu zwei Dritteln subventioniert werden, mit Preisgarantien über 20 Jahre, die um die Hälfte höher sind als die Kosten von erneurbarem Strom. Komplett absurd.
    Keiner der nach Tschernobyl neu geplanten Generation 3 oder 3+ Reaktoren sind in Betrieb, nur zwei im Bau, einer in Frankreich, einer in Finnland, mit gigantischen Zeit- und Budgetüberschreitungen.
    Die grossen Firmen der Atomindusitrie haben sich entweder ganz vom Nuklearteil getrennt, oder haben ein Kreditrating auf Junkniveau. Andere wie TEPCO wurden quasi verstaatlicht oder bleiben verstaatlicht.
    In China gingen 2013 Atomreaktoren mit 16 GW Leistung ans Netz, Windkraftanlagen mit 18 GW und Photovoltaikanlagen mit 91 GW.
    Da alle anderen Stromproduktionsformen billiger, sicherer und umweltfreundlicher sind als AKW wird der Atomstromanteil weltweit weiter gegen Null streben, ausgenommen in 2-3 kommunistischen Diktaturen.
    Das ist nachzulesen in den Analysen von Banken in den USA, Europa und der Schweiz, zuletzt in einem UBS Report.

    • Ghostwriter sagt:

      Dass die Atomstromproduktion laut World Nuclear Report von 17.6 % (1996) auf 10,8 % gesunken ist, wundert mich in keiner Weise, da ausser acht gelassen wurde, dass die gesamte Energieproduktion und damit der Verbrauch in dieser Zeit um ein Vielfaches gestiegen ist und kaum neue KKWs ans Netz gingen. Statt durch KKWs wurde der zunehmende Energieverbrauch durch Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen bedient, da besonders Gaskraftwerke innert sehr kurzer Zeit aus dem Boden gestampft werden können, da sie wenigen wenn nicht keinen Umweltauflagen unterliegen im Gegensatz zu KKWs.