Fazit der Beschleunigung

Was wir im Februar gelernt haben.
Blog Mag

Hier ist nichts passiert: Ein Vorort von Stockholm am Dienstag, den 21. Februar 2017. Foto: Fredrik Sandberg (Keystone)

Haben Sie auch das Gefühl, dass Donald Trump schon seit so ungefähr drei Jahren Präsident der Vereinigten Staaten ist, meine Damen und Herren? Das hängt mit dem Wesen der Zeit zusammen: Wenn viel passiert, scheint sie sich auszudehnen, aber erst in der Rückschau. Und Weihnachten, übrigens, ist erst zwei Monate her, doch so weit weg, mindestens gefühlte vier. Die Zeit aber schreitet voran und ist ereignisträchtig. Nur in Schweden passiert nichts. Ansonsten aber herrscht gefühlte Beschleunigung allerorten, sodass es uns einmal mehr angezeigt scheint, innezuhalten und im Rahmen unserer losen, aber überaus beliebten Reihe einmal mehr die Frage zu stellen: Was haben wir letzten Monat gelernt? Nun, Folgendes:

  1. In Schweden ist absolut nichts passiert.

  2. Puppen können gefährlich werden. Und noch viel perfider als die Mörderpuppe Chucky, die einen wenigstens direkt angreift, ist so was wie die sprechende, blonde, blauäugige Puppe Cayla von der deutschen Bundesnetzagentur gerade als spionagetaugliche, sendefähige Abhöranlage qualifiziert und also verboten. Wenn man das weiss und Cayla nochmal in die toten Augen blickt, sieht sie irgendwie auch etwas böse aus, diese falsche Freundin! Die letzte verbotene Puppe war übrigens die schwangere Barbie, und noch immer gilt der alte Satz: Man erfährt viel über eine Gesellschaft, wenn man sich anguckt, was sie verbietet.

  3. Die sogenannte Türstörung ist eine zeitlose Entschuldigung der Schweizerischen Bundesbahnen für die verspätete Abfahrt eines Zuges. Auch wenn die Züge bald von selbst fahren und direkt aus dem 3-D-Drucker kommen; die sogenannte Türstörung wird uns erhalten bleiben. Sie ist inzwischen Teil des nationalen kulturellen Erbes und gar der Schweizerpsyche geworden. Beschleunigung hin oder her.

  4. Jedes Jahr werden mehr Tiere von Teddybären umgebracht als von Grizzlybären. Das ist eine mutmassliche Tatsache. Allerdings weiss ich nicht mehr, wo ich sie aufgeschnappt habe. Am besten schauen Sie noch mal im Internet nach.

  5. In Schweden ist immer noch absolut nichts passiert.

4 Kommentare zu «Fazit der Beschleunigung»

  • Noldi Schwarz sagt:

    Nein. In Schweden ist definitiv nichts passiert. Das Bild ist nicht aus Schweden. Nein, es zeigt irgend etwas in irgend einem Land. Oder doch nicht? In Stockholm-Rinkeby brannten letzte Woche Autos. In Malmö wurden seit Anfang Jahr lediglich 3 Menschen erschossen. In 15 anderen Orten in Schweden herrschen laut Polizei hohe Kriminalität und soziale Probleme. In Göteborg-Biskopsgården starb im Sommer ein Achtjähriger, weil jemand eine Handgranate durchs Fenster in das Zimmer warf, in dem er schlief. Nein, nein. Alles aufgebauscht. Alles Fantasien von einem unhaltbaren Präsidenten. Alles Fake News in den Medien. Wo Schweden liegt? Ähhh, in Europa? Ja, ja, ich glaube in Europa. Aber ganz, ganz weit weg…

  • Kristina sagt:

    In Schweden ist nichts passiert. Fragen wir doch mal Uli.
    Ach, wieso sich mit Vergangenem aufhalten. Also, der wievielte Staat von Amerika könnte Mexiko werden? Kuba?

  • Meinrad sagt:

    Am Ende des laufenden Monats habe ich einige Dinge gelernt. Wir waren in Zürich und assen sehr gut zu Mittag. Anschliessend gingen wir auf den Lindenhof, angeblich der vorrömische Gründungsort von Zürich, und in den neu autofreien, wunderbaren Münsterhof mit dem beeindruckenden Brunnen. Dann ging es in ein Café in der Nähe. Dort lernte ich endlich live, was Coolness, Mikroaggressivität und Blasiertheit bedeuten. Zudem wurde ich von unserer jüngeren Generation auf Nachfrage hin aufgeklärt, was die Definition eines Hipsters sei: „A hipster wants to get outside of the mainstream. At the moment, when he feels being outside of the mainstream, he just has reached the mainstream again.“ (Mein Englisch ist nicht so gut.)

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